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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2012
Verloren im Vatikan
Ein Reformkonzil wird 50
Der Inhalt:

Baustellen im Meer

von Christian Müßgens vom 07.09.2012
Der Streit um Windparks vor der Küste spitzt sich zu

In diesen Tagen verwandelt sich das Meer vor der Insel Juist in eine der größten Baustellen Deutschlands. Rund hundert Kilometer vom Festland entfernt sollen sich in diesem Park namens »Global Tech 1« bereits im kommenden Jahr achtzig Windräder drehen. Zusammengeschaltet sollen sie so stark sein wie ein Großkraftwerk und fast eine halbe Million Haushalte mit Strom versorgen.

Ob der Park jedoch, wie projiziert, Ende 2013 tatsächlich Strom liefert und ob die Kosten im Rahmen bleiben, liegt nicht allein in ihren Händen. Sie stellen die Windräder ins Meer. Das niederländische Unternehmen Tennet ist dafür verantwortlich, dass die Windparks in der Nordsee per Seekabel mit dem Festland verbunden werden. Doch die Niederländer sind finanziell überfordert. Tennet kriegt den Anschluss erst ein Jahr später fertig als geplant. Jetzt streiten die Beteiligten auch mit der Bundesregierung, wer für Kosten und Schäden haftet.

Bis zur Mitte des Jahrhunderts sollen Windräder die Hälfte des in Deutschland verbrauchten Stroms erzeugen. Einen Großteil davon sollen die Parks vor der Küste liefern, denn dort weht der Wind stärker und gleichmäßiger als auf dem Land. Ob die Windparks im Meer die von der Regierung hochgesteckten Erwartungen erfüllen können, ist fraglich. Denn nicht nur die Netzanschlüsse und die Finanzierung sind problematisch. Umweltschützer warnen vor den ökologischen Folgen des Baubooms auf See.

Bislang halten sich die Umweltverbände mit Klagen zurück. Sie wollen nicht als Verhinderer der Energiewende dastehen. Doch im Naturschutzbund listen Fachleute Meeresregionen auf, die aus ihrer Sicht für Windparks nicht geeignet sind. Sollten Parks dort genehmigt werden, wollen sie klagen. Sie meinen vor allem Gebiete, die in unmittelbarer Nähe zu den europäischen Schutzgebieten »Natura 2000« liegen. Dort dürfen zwar seit Jahren keine Parks genehmigt werden, in deren Nachbarschaft dagegen schon. Der Baulärm breitet sich unter Wasser aber über viele Kilometer aus. Das störe die Tiere in den geschützten Gebieten, sagen die Umweltschützer.

Die Betreiber von Global Tech 1 nehmen die Kritik ernst. Sie betreiben viel Aufwand, um die Umweltfolgen abzumildern. Die Ingenieure wollen die Erdnägel von mehr als 40 Metern Länge, welche die Fundamente im Boden verankern, zunächst in den Meeresgrund rütteln

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