Editorial
Über die AfD vor der Macht, pädo-kriminelle Netze und Kunst in »Pantoffelkirchen«
in zwei Monaten könnte die AfD erstmals ein Bundesland regieren. Wenn Anfang September in Sachsen-Anhalt gewählt wird, könnte die Partei dort die absolute Mehrheit der Landtagsmandate erreichen. Mein Kollege Constantin Wißmann und ich habenSachsen-Anhalt bereist, dort AfD-Anhängern zugehört, aber auch Menschen getroffen, die sich der Partei entgegenstellen. Auch die Kirchen engagieren sich, indem sie daran erinnern, dass Demokratie von der Achtung der Menschenwürde und von Solidarität lebt. Beides sieht der Magdeburger Bischof Feige in Gefahr, sollte die AfD an die Macht kommen. Im Interview erklärt er, wie die Partei das Land verändern könnte – und warum so viele Menschen für sie stimmen wollen.
Doch was heißt das, solidarisch sein? Davon berichtet Pfarrer Jörg Meyrer aus dem Ahrtal. Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe leiden die Überlebenden noch immer unter den Folgen. Doch da sind eben auch die positiven Erfahrungen: die unglaubliche Hilfsbereitschaft und der Zusammenhalt in der Not. Für Meyrer ein Hoffnungsschimmer nicht nur für das Ahrtal, sondern für die Gesellschaft insgesamt angesichts aktueller Entwicklungen wie der Klimakrise.
Unbedingt empfehlen möchte ich auch das Doppelinterview mit der Historikerin Sylvia Schraut und dem Juristen Ulrich Wastl, die an der Aufarbeitung von Missbrauch in der katholischen Kirche mitwirken. Sie weisen auf einen blinden Fleck in der Erforschung der Verbrechen hin: Täternetzwerke, in denen sich Täter gegenseitig unterstützt haben, in Positionen zu gelangen, die ihnen Zugang zu Kindern ermöglichten. Und die auch Kontakte zu pädo-kriminellen Netzwerken außerhalb der Kirche unterhielten.
Ohne den Hinweis auf zwei ermutigende Geschichten, möchte ich Sie nun aber nicht der Lektüre überlassen. Im Aufgefallen stellen wir die Bürgermeisterin von Graz vor, von der Kritiker sagen, sie sei eher eine Sozialarbeiterin. Was soll daran falsch sein? Anne Strotmann schließlich hat die Wanderbiennale Manifesta besucht, die Kirchen im Ruhrgebiet in Kunsträume verwandelt. Ganz nebenbei erfahren Sie in ihrem Text auch, was eine »Pantoffelkirche« ist. Lesen bildet halt. Eine erkenntnisreiche Bildungsreise wünscht
Ulrike Scheffer ist Redakteurin im Ressort Politik & Gesellschaft.

