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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2013
Götzen, Geld und die Gerechtigkeit
Was Christen heute herausfordert
Der Inhalt:

»Was glaubst du denn?!«

von Maria Haberer vom 14.06.2013
Wanderausstellung über Muslime in Deutschland

Dass die Ausstellung etwas bewegt, das hofft der 16-jährige Serdinc. Mit seiner Lebensgeschichte will er einen Beitrag dazu leisten. Der gebürtige Berliner mit den buschigen Augenbrauen ist gläubiger Alevit, seine Eltern kommen aus der Türkei. Er hofft, dass die Ausstellung hilft, mit Vorurteilen gegenüber Muslimen aufzuräumen.

In drei Kategorien »Menschen, Wissen, Vorstellungen« thematisiert die Wanderausstellung »Was glaubst du denn?! Muslime in Deutschland« diese Vorurteile. Seit dem 2. Juni ist sie in der Otto-Hahn-Schule in Berlin-Neukölln zu sehen. Sie richtet sich vor allem an Schülerinnen und Schüler. Die Bundeszentrale für politische Bildung hat sie im Auftrag des Bundesministeriums für Inneres gestaltet. Sogenannte »Peers«, ausgebildete junge Menschen, sollen selbst in Zukunft durch die Ausstellung führen.

Mit Animationsfilmen, Comics und interaktiven Elementen werden die Facetten des muslimischen Alltags in Deutschland dargestellt. Künstlerin Seren Basogul zum Beispiel hat Frauen fotografiert, die auf unterschiedliche Art ein Kopftuch tragen, und zeigt, wie die eigene Wahrnehmung variiert. In der Mitte der Ausstellung werden auf sieben Säulen junge Muslime vorgestellt, die ihre Lebensgeschichte erzählen. In Videoclips beantworten sie Fragen zu ihren Leidenschaften, ihrer Zukunft und zu ihrer Religion. Neben Serdinc ist da zum Beispiel Hassan. Er ist Chemiestudent aus dem Libanon. Die Halb-Kosovarin Melissa spielt Fußball und will Polizistin werden. Auf einer Stehtafel weiter hinten im Raum werden unter dem Thema »Wissen« Videos zum Islam gezeigt. Zitate von Muslimen zu Themen ihres Glaubens werfen ein vielfältiges Bild auf diese Religion.

Wie viele Muslime genau in Deutschland leben, ist unbekannt. Geschätzt werden um die vier Millionen. Sie stammen aus der Türkei, aus Osteuropa, aus dem Nahen Osten und Nordafrika. Fünf Prozent der deutschen Bevölkerung bekennt sich zum Islam. Damit ist der Islam die zweitgrößte Religion in Deutschland.

Ridwan Bauknecht, Mitglied der Deutschen Islamkonferenz und Lehrer, lobt die Ausstellung: »Es handelt sich hier um ein absolutes Novum, Muslime sind nicht Objekt der Ausstellung, sondern sind selbst Subjekt.« Nach Neukölln geht die Wanderausstellung nach Bonn. Danach wird sie durch ganz Deutschland touren

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