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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2019
Höhenglück
Warum uns die Alpen so faszinieren
Der Inhalt:

Hilfe, ich bin süchtig!

von Andreas Boueke vom 09.09.2019
Rund eine Million Deutsche sind internetabhängig. Wie finden Netz-Junkies zurück ins Leben?
Wenn der Computer die Freiheit frisst (Foto: Shutterstock/gts)
Wenn der Computer die Freiheit frisst (Foto: Shutterstock/gts)

Murat klickte und klickte und klickte – tagelang. Am Computer fällte er virtuelle Bäume, hackte Holz mit dem Ziel, ein Schiff zu bauen. Murat ist internetabhängig. Die reale Welt war ihm egal. So geht es vielen Menschen: Internetbasierte Computerspiele gehören zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten der Deutschen. Schon längst zählen dazu nicht mehr nur Ballerspiele, sondern auch komplexe Rollenspiele, an denen sich Tausende beteiligen, vor allem Jungen und Männer. Mädchen und Frauen machen nur rund ein Fünftel der Nutzer von Cyberspielen aus.

Holzhacken am Bildschirm

Mehr als eine Million Deutsche sind internetabhängig, schätzt die therapeutische Leiterin der Bernhard-Salzmann-Klinik in Gütersloh, Ulrike Dickenhorst. In der Abteilung für Medienabhängigkeit behandelt sie junge Männer aus der ganzen Republik. Viele bleiben über Monate in Therapie, nachdem sie jahrelang in die digitale Welt abgetaucht waren. Der vierzigjährige Murat aus Neuss ist einer der ältesten Patienten. Er hatte sich in einer parallelen Lebenswelt verloren. Um höhere Spiellevel zu erreichen, spielte er immer länger. So konnte er seine Spielfigur, den Avatar, stets mit neuen Werkzeugen wie einer Axt zum Holzfällen ausstatten. Während des Spiels hat sich Murat über sein Headset mit anderen Spielern unterhalten, die auch irgendwo auf der Welt vor ihren Computern saßen und dasselbe Spiel spielten. »Ich habe acht Tage lang am Stück jeden Tag sechzehn Stunden lang Holz gehackt.« Die ersten Wochen der Therapie waren für Murat besonders hart. Plötzlich hatte er keinen Zugang mehr zur virtuellen Welt. Einen solchen Bruch erleben manche Computerspieler als schmerzhaften Verlust der eigenen Identität. Das

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