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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2020
Menschen statt Grenzen
Wie eine Feministische Außenpolitik die Welt verändern könnte
Der Inhalt:

Dasein in Zeiten des Terrors

vom 17.03.2020
Vier Wochen nach Hanau: Drei Menschen erzählen von ihrem Umgang mit dem Schmerz – und fragen nach dem »Wir«
Gedenkort in Hanau: Am Brüder-Grimm-Denkmal werden die Toten des Terroranschlags betrauert (Foto: pa/Meissner)
Gedenkort in Hanau: Am Brüder-Grimm-Denkmal werden die Toten des Terroranschlags betrauert (Foto: pa/Meissner)

Anna Dushime: »Wie lange noch tapfer lächeln?«

Am Tag nach dem Anschlag bin ich mit einem beklemmenden Gefühl in mein Berliner Büro gefahren. Den ganzen Tag unterdrückte ich Tränen und lächelte tapfer. Das ist häufig meine Art, mit unglaublicher Trauer, überwältigenden Gefühlen und unfassbarer Grausamkeit umzugehen. Auf eine merkwürdige Art und Weise fühle ich mich manchmal sogar verpflichtet, eine Art Stolz zu empfinden, weil ich tapfer bin. Weil ich funktioniere.

Als mein Vater im Genozid in Ruanda umgebracht wurde, musste ich meine Schreie unterdrücken, damit wir nicht im Versteck gefunden würden. Als meine Tante starb, wollte ich für meine Cousinen tapfer sein. Als wir Berichte sahen über tote schwarze Geflüchtete, die an europäische Strände gespült wurden, schluckte ich den Schmerz runter und ging arbeiten.

Nach »9/11« und dem Amoklauf von Winnenden kümmerten sich an unserer Schule Psychologen um Schüler und Schülerinnen. Was richtig war. Nach dem Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo hielten ganze Newsrooms inne, und es gab Platz für den Schmerz und für die Wut.

Es fühlt sich so an, als ob mein Schmerz, unser Schmerz, ein Nischenschmerz ist, der den Ablauf nicht stören darf. Für den es keinen kollektiven Platz gibt. Es ist ein Schmerz, der tapfer ausgehalten werden muss. Tapfer sein, so rede ich mir oft ein, ist gut für mich. Gut für uns.

Es macht aber auch stumpf. Ich habe Angst, gleichgültig zu werden. Ich habe aber auch Angst, irgendwann zusammenzubrechen, weil ich die Gefühle und den Schmerz zulasse. Ich habe ständig Angst. Zu viel Angst, aber zu wenig Zeit, um innezuhalt

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