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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2014
Wie mich mein Glaube trägt
Von Menschen, die Gott suchen
Der Inhalt:

Der Mord zum Sonntag

von Josefine Janert vom 26.10.2014
Der »Tatort« ist für viele Millionen Menschen ein wichtiges Sonntagsritual, so wie früher der Gang in die Kirche. Der Krimi sagt uns, was gut und was böse ist, und bringt die Welt – vermeintlich – wieder in Ordnung
Der Tatort: Seit der ersten Ausstrahlung 1970 wurden mehr als 900 Folgen gesendet. Für viele ist der Krimi um 20.15 Uhr ein Sonntagsritual. In Deutschland gehen rund 847 000 evangelische Christen und 2,6 Millionen Katholiken in die Kirche. Dagegen schauen sieben bis dreizehn Millionen heute Abend den Tatort. (Foto: ARD)
Der Tatort: Seit der ersten Ausstrahlung 1970 wurden mehr als 900 Folgen gesendet. Für viele ist der Krimi um 20.15 Uhr ein Sonntagsritual. In Deutschland gehen rund 847 000 evangelische Christen und 2,6 Millionen Katholiken in die Kirche. Dagegen schauen sieben bis dreizehn Millionen heute Abend den Tatort. (Foto: ARD)

Professor Karl-Friedrich Boerne aus Münster hat ein Leberproblem. Er hat zu viel Rotwein getrunken. Am 21. September musste er ins Krankenhaus. Eine Woche später ging Max Ballauf, Tatort-Kommissar in Köln, mit seiner Kollegin Lydia Rosenberg ins Bett. Über Boernes Leber und Ballaufs Liebe wissen viele Menschen besser Bescheid als über das Freihandelsabkommen TTIP.

Der Tatort ist die beliebteste TV-Serie im deutschen Sprachraum. Seit der ersten Folge 1970 wurden mehr als 900 Folgen gesendet. Für viele ist der Krimi um 20.15 Uhr ein Sonntagsritual, wie es früher der Gottesdienst war. Zum Vergleich: In Deutschland gehen sonntags rund 847 000 evangelische Christen und 2,6 Millionen Katholiken in die Kirche. Dagegen schauen sieben bis dreizehn Millionen am Abend den Tatort. In der Schweiz erreicht der Tatort weitere 480 000 Menschen; in Österreich haben gute Folgen rund 921 000 Zuschauer.

Der Tatort fesselt nicht nur, weil er spannend ist. Geschickt spiegelt er unseren vielschichtigen Alltag mit allen Veränderungen und Erosionen in der Gesellschaft wider. Er knüpft an aktuelle Debatten an, etwa wenn es um Ehrenmorde, Einsamkeit im Alter und jugendliche Straftäter geht. Die Macher der Serie sind imstande, diese stetig zu reformieren, an den Geschmack der Zeit anzupassen: Dominierte in den 1970ern der altväterliche Alleswisser als Kommissar, erleben wir heute Tatort-Personal mit mannigfaltigen Talenten, Polizisten, die auch mal an sich selbst zweifeln. Es gib

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