»Nur ohne meinen Namen ...!«
Von draußen kommt nur wenig von der Oktoberhitze herein, die den Römern derzeit Tage mit 28 Grad Wärme beschert. Schwere, dunkle, alte Möbel. Unbequeme Stühle. Ein langer Tisch. An dessen oberem Ende nimmt der Kardinal Platz, nachdem er die scharlachrote Bauchbinde abgelegt hat. Nun sitzt der Kirchenmann unter dem wuchtigen Kreuz, das über ihm die Wand schmückt. Draußen glänzen vatikanische Gärten im Sonnenlicht. Hier drinnen geht es verschärft um die Zukunft der katholischen Weltkirche.
Gesprochen wird Englisch. Wir sind sieben Journalistenkollegen aus Italien, den Vereinigten Staaten und dem deutschsprachigen Raum.
Solche Hintergrundgespräche haben strenge Regeln: Namentlich zitiert werden darf der Gesprächspartner nicht. Doch die besprochenen Sachverhalte sind nicht tabu. Es darf durchaus berichtet werden, unter Wahrung der Diskretion. Denn ohne diese Strenge funktionieren derart vertrauliche Medien-Gespräche nicht.
Unser Gesprächspartner, ein Kardinal, macht mit den Pressekollegen eine geistige Tour d’Horizon durch das Synodengeschehen. Ja, er selber habe in diesen Tagen einiges gelernt. Zum Beispiel, wie tief die Gräben zwischen dem Ehe-Verständnis verschiedener Kulturen und Erdteile klafften. Und wie kompliziert es nun sei, diese Gräben zu überbrücken. Und zwar auf möglichst solide, belastungsfähige Weise.
Ein Journalist fragt nach den Konservativen in der Synode. Der Kardinal achtet bei seiner Antwort überdeutlich darauf, dass eine ganze Anzahl von vatikanischen Kurienkardinälen als deren Wortführer auftreten. Er, der aus einer fernen Kirchenprovinz nach Rom angereist ist, ist sichtlich genervt von dieser Fraktion. Und er findet zweierlei: Erstens solle der Papst in allen Fragen, die verhandelt werden, entscheiden; die Kurienmänner sollten sich, bitte schön, zurückhalten. Zweitens solle die Synode – mehr als auf die Stimmen der Kurialen – auf die Stimme der versammelten Christen aus aller Welt hören.
Nach gut zwei Stunden ist das Hintergrundgespräch im Vatikan zu Ende. Freundliches Händeschütteln zum Abschluss. Die Begegnung war ergiebig. Wir, die Journalisten, haben nun einmal mehr einen Eindruck davon, was hinter den Kulissen läuft. Wir sehen nicht nur Papiere, wir hören nicht nur offiziöse Worte. Wir erleben Stimmungen. Das ist wichtig für uns. Denn nur so können wir am Ende beurteilen, wie ein Ergebnis zustande kommt. Draußen glänzen die vatikanischen Gärten in der Sonne. Es geht wieder ans Tageslicht.
