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Blog-Beichten

»Vater, ich habe gesündigt ...« Auf dem Katholikentag sagen das die Wenigsten. Beichten ist out, besonders bei Jugendlichen. Oder ist es vielleicht doch ganz anders? Eigentlich ist das Beichten »in«, sagt Jugendpfarrer Thomas Helm. Nur stehen die Beichtstühle des Lebens nicht mehr in den Kirchen
von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 31.05.2014
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Tausende katholische Menschen auf dem Katholikentag, die sich nicht mehr fürs Beichten interessieren. Oder doch? (Foto: pa/dpa/Uli Deck; Grafik: www.katholikentag.de)
Tausende katholische Menschen auf dem Katholikentag, die sich nicht mehr fürs Beichten interessieren. Oder doch? (Foto: pa/dpa/Uli Deck; Grafik: www.katholikentag.de)

Für Jugendliche wird auf dem Katholikentag viel geboten: Ein Kletterparcours, Popkonzerte in der Kirche und eine »Crazy Cupcake Competition« zum Beispiel. Coole und witzige Aktionen, die das Bild einer langweiligen, altbackenen oder verstaubten Kirche widerlegen sollen. Aber im Angebot des Zentrums Jugend ist auch etwas Urkatholisches: Die Möglichkeit zur Beichte. Wird das von den Jugendlichen wahrgenommen?

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»Um ehrlich zu sein, ist die Nachfrage ziemlich mau«, sagt Thomas Helm, Domvikar von Regensburg, Jugendpfarrer und während des Katholikentags Beichtvater in der St. Fidelis-Kirche. Dabei kann man im Zentrum Jugend anstelle der Beichte auch einfach nur ein Gesprächsangebot nutzen. Pastoralreferentinnen sind vor Ort, die möglicherweise die Probleme und Sorgen von Mädchen besser verstehen als katholische Priester. Die Hemmschwelle, dass Mädchen sich öffnen und zu erzählen beginnen, könnte dadurch niedriger liegen, so die Erwartung. Trotzdem kommen kaum Jugendliche.

Bei der Frage nach dem Warum taucht der Begriff des Sündenbewusstseins auf. Das klingt nun arg altmodisch. Welchen Jugendlichen kann man damit schon überzeugen? »Es ist tatsächlich so, dass das Sündenbewusstsein abnimmt«, gibt Pfarrer Helm zu. Das liege auch am Umgang der Kirche mit dem Thema. Wurde es früher überbetont und der Mensch in Gottesdiensten immer wieder als Sünder dargestellt, habe sich das heutzutage ins Gegenteil verkehrt. »Schuld und Sünde sind Themen, an die wir uns kaum noch herantrauen«, sagt Helm. »Davon nehme ich mich nicht aus – ich will auch nicht derjenige sein, der den Menschen ein schlechtes Gewissen macht.«

Und so meinen viele, gar keine Sünden zu haben. »Aber dass es nicht nur Politiker sind, die Fehler machen, sondern dass auch der Einzelne Schuld tragen kann, wird kaum noch erkannt«, beobachtet der junge Priester. – Ich gehe kurz in mich und überlege, was ich wohl beichten würde, wenn ich katholisch wäre. Ich muss zugeben: So auf Anhieb fällt mir da auch gar nichts ein …

Pastoralreferent Wolfgang Sausener aus der nördlichen Oberpfalz, der im Zentrum Jugend ebenfalls zu Gesprächen bereitsteht, weist auf eine interessante Entwicklung hin: »Die Beichthäufigkeit nimmt ab, aber die Intensität der Beichte nimmt dafür zu.« Helm bestätigt das: »Früher kamen viele Menschen mit Lappalien zur Beichte. Das ist heute nicht mehr so. Wenn jemand beichtet, sind das oft wirkliche Lebensgeschichten.« Helm machte auch die Erfahrung, dass Menschen an bestimmten Orten oder zu bestimmten Zeiten häufiger beichten. »Vor Ostern nimmt die Anzahl derer, die beichten, zu«, erzählt er, »und ich habe auch erlebt, dass beispielsweise in Taizé deutlich mehr Jugendliche beichten als in den heimischen Pfarreien.« Vielleicht ermutigt der fremde Ort und eine gewisse Anonymität, die eine Jugendbegegnungsstätte wie Taizé bietet, sie ja.

Dass Sünde und Schuld nicht mehr unbedingt im kirchlichen Rahmen eingestanden werden, bedeutet jedoch nicht, dass das Thema ganz aus unserem Alltag verschwunden ist. »Die Beichtstühle haben sich nur gewandelt«, meint Helm. »Heute sind es Talkshows im Fernsehen, wo die Menschen in aller Öffentlichkeit ihre Fehler und Sünden eingestehen.«

Vielleicht tun sie das ja auch auf der Homepage von Publik-Forum ... Machen wir doch mal den Test: Sie können uns, liebe Leserinnen und Leser, gerne als Kommentar alles beichten, was Ihnen so auf der Seele brennt.

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Personalaudioinformationstext:   Elisa Rheinheimer-Chabbi ist Publik-Forum-Volontärin. Sie besucht den ersten Katholikentag ihres Lebens. Ihren Blog-Beitrag können Sie hier direkt kommentieren. Beichten erlaubt, aber kein Zwang ...
Schlagwörter: Jugendliche Katholikentag
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