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Aus für Kardinal Müller

Papst Franziskus entlässt seine Nummer zwei, den Präfekten der vatikanischen Glaubensbehörde Kardinal Müller. Das löst ein Beben im Vatikan aus. Der unerwartete Rauswurf bedeutet für Müller, den früheren Bischof von Regensburg, eine Entlassung ins Nichts
von Thomas Seiterich vom 01.07.2017
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Erdbeben im päpstlichen Rom. Von allen Beobachtern unerwartet gibt Papst Franziskus dem deutschen Kardinal und Chef der Glaubenskongregation, Gerhard Ludwig Müller, den Laufpass. Zwölf Stunden lang war der Rauswurf ein Gerücht, dann bestätigte der Vatikan schriftlich offiziell die Trennung.

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Nachfolger wird Luis Francisco Ladaria Ferrer. Der aus Mallorca stammende spanische Jesuit teilt mit dem Papst ein und dieselbe Ordensheimat. Der 73jährige Ferrer wurde im Jahr 2008 vom damaligen Papst Benedikt XVI. als Sekretär in die Glaubenskongregation berufen. Er sollte die lateinamerikanischen Befreiungstheologen scharf in den römischen Blick nehmen. Doch der für Kontexte sensible Ladaria tat das nicht. Er schützte viele Theologen. Als Publik-Forum ihn in Rom nach Jon Sobrino fragte, den Befreiungstheologen in El Salvador, antwortete Ladaria mit eine Lobrede auf seinen Ordensmitbruder Sobrino. Pater Luis Ladaria hat ein anderes theologisches Profil als der Hardliner Müller. Der spanische Jesuit, der nur selten Interviews gibt, gilt als ein gemäßigter Konservativer. Er ist kein Zuspitzer, kein polternder Polarisierer wie der Mainz-Finthener Arbeitersohn Müller.

Müllers Rauswurf führt – fürs erste jedenfalls – ins Nichts. Denn im April hatte der Papst nicht den als Kandidaten gehandelten Müller, sondern den Theologen Peter Kohlgraf zum Bischof in Mainz ernannt, als Amtsnachfolger des über 80jährigen Kardinals Karl Lehmann.

»Differenzen zwischen mir und dem dem Papst gab es nicht«, lässt Müller über die Entscheidung des Papstes wissen. Franziskus habe beschlossen, in Zukunft nur noch die eine Amtszeit von fünf Jahren zuzulassen, sagt der Kardinal. Müllers nächste Amtsbeauftragung von fünf Jahren hätte Anfang Juli angestanden. In den römischen Ränkespielen konservativer Kardinäle gegen Franziskus hatte Müller nicht sichtbar mitgewirkt, sondern Loyalität zum Papst an den Tag gelegt.

Gleichwohl: Das Verhältnis zwischen Franziskus und dem konservativen Müller galt als kühl. Manche Vatikanbeobachter vermuteten, Franziskus verfolge die Taktik, den potenziell gefährlichen Gegner neutralisierend in seinem nahen Vatikanumfeld einzubinden, während kritische Katholiken seit Jahren die Absetzung Müllers forderten. Denn es hatte sich herumgesprochen, wie massiv sich Müller in seiner Zeit als Bischof in Regensburg der Aufklärung von Missbrauchsfällen in den Weg gestellt hatte. Und dieser Geistliche war nun in der Glaubenskongregation Behördenchef für die zu prüfenden sexuellen Gewaltverbrechen aus aller Welt. Das sorgte auch in Rom für Konflikte.

Auch der künftige Chef der Glaubensbehörde spricht deutsch: Erzbischof Ladaria Ferrer hat einen Teil seiner Studien in der Jesuitenhochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main absolviert.

Was wohl den Ausschlag gegeben hat, für Franziskus’ Trennungsbeschluss? Müller hatte unlängst erneut, wie schon öfter, die Öffnungstendenz des nachsynodalen Eheschreibens Amoris Laetitia von Papst Franziskus kritisiert, insbesondere die darin ermöglichte Zulassung von geschiedenen und wieder verheirateten Katholiken zur Kommunion. Müllers Widerstand liegt völlig über Kreuz mit den innerkirchlichen Zielen des Papstes.

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Personalaudioinformationstext:   Thomas Seiterich, Vatikan-Korrespondent von Publik-Forum, kennt sowohl Kardinal Müller wie Ladaria Ferrer aus direkten Begegnungen.
Schlagwörter: Papst Franziskus Vatikan
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