Leo XIV.
Papst Leo XIV. hat bei seinem Besuch auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa an das Leid von Bootsflüchtlingen erinnert. Eindringlich rief er Europa zu einer humanen Flüchtlingspolitik auf. Zugleich kritisierte er Korruption in den Herkunftsländern und ein ungerechtes globales Wirtschaftssystem. Sein Vorgänger Papst Franziskus hatte 2013 die Insel, auf der viele Geflüchtete ankommen, als Ziel seiner ersten Reise ausgewählt und dort die »Globalisierung der Gleichgültigkeit« gegenüber den Armen beklagt. Dass Leo XIV. Lampedusa ausgerechnet zum amerikanischen Unabhängigkeitstag am 4. Juli besuchte, wird auch als Zeichen gegen die Politik des US-Präsidenten Donald Trump gegenüber Geflüchteten angesehen.
Papst Leo XIV. legte auf dem Friedhof der Insel Blumen an den Gräbern verstorbener Migranten nieder und verharrte im stillen Gebet. Er traf eine Migrantenfamilie und ein Flüchtlingskind. In seiner Predigt vor rund 4000 Teilnehmenden rief Leo XIV. Europa zu einem menschenwürdigen Umgang mit Migration auf. Europa sei in der Lage, »die Krise in diesem Bereich ganzheitlich anzugehen«. Es brauche über die Soforthilfe hinaus einen langfristigen strategischen Plan, »der Migranten aufnimmt, schützt, fördert und integriert und gleichzeitig auf Entwicklung hinarbeitet, damit niemand zur Auswanderung gezwungen wird«.
Die Toten im Mittelmeer seien »Opfer sowohl getroffener als auch versäumter Entscheidungen,« so der Papst. Er prangerte Gleichgültigkeit, Korruption in den Herkunftsländern, einungerechtes globales Wirtschaftssystem sowie jene an, die aus dem Leid anderer Profit schlagen. Mit Blick auf Lampedusa als Touristeninsel bat Leo XIV. die Einheimischen, keine unsichtbare Mauer zwischen dem »Meer der Schiffbrüchigen und jenem der Urlauber« zu errichten.

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