Leo XIV.

Papst Leo XIV. bricht mit (ungeschriebenen) Regeln des Vatikans: Seine erste Enzyklika nach gut zwölf Monaten im Amt wird er an diesem Pfingstmontag höchstpersönlich vorstellen. »Magnifica Humanitas – Die großartige Menschheit« heißt sie nach ihren lateinischen Anfangsworten, und sie trägt den Untertitel »Über die Bewahrung der menschlichen Person im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz«. Bei einer Pressekonferenz um 11.30 Uhr sprechen unter anderen der Präfekt des Glaubensdikasteriums, Víctor Manuel Fernández, der Mitgründer des amerikanischen KI-Unternehmens Anthropic, Christopher Olah – und eben der Papst selbst.
Enzykliken werden bisher vom vatikanischen Presseamt angekündigt; am Erscheinungstag gibt es eine Pressekonferenz zur Vorstellung des Textes mit in der Regel ebenso langen wie ergebenen Statements von Fachleuten, klerikalen wie säkularen. Der Papst selbst als der formelle Autor und der lehramtliche Garant des Schreibens äußert sich normalerweise nicht.
Warum Leo nun selbst auf die Bühne tritt, hat er bisher nicht näher erklärt, aber es spricht für die Bedeutung, die er diesem Text und einem Thema beimisst, das er vom ersten Tag als Papst auf seine Agenda gesetzt hat. Ob er auch Fragen von Journalisten zulassen wird, darüber hat der Vatikan vorab keine Auskunft erteilt.
Datiert ist »Magnifica Humanitas« allerdings auf den 15. Mai. Das ist ein bewusster Rückgriff auf die erste große Enzyklika eines Papstes zu sozialethischen Fragen: auf »Rerum Novarum«, geschrieben unter dem »Arbeiterpapst« Leo XIII., den sich der heutige Leo ausdrücklich zum programmatischen Namenspatron erwählt hat. Auch »Rerum Novarum« ist an einem 15. Mai erschienen, 1891 nämlich, vor also genau 135 Jahren.
Einen ersten Überblick über die Enzyklika und eine Analyse finden Sie hier bei Publik-Forum.




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