Georg Denzler
Georg Denzler, emeritierter Professor für Kirchengeschichte, Autor zahlreicher auch populärer Bücher, und Kämpfer gegen den Zölibat, ist tot. Er starb im Alter von 96 Jahren am bayerischen Ammersee.
Der gebürtige Bamberger erhielt 1955 die Priesterweihe, wurde aber im Jahr 1973 Vater. Daraufhin wurden ihm seine priesterlichen Rechte entzogen: »Ich verspürte ein Gefühl, als ob man mich seelisch amputiert hätte«, schrieb Denzler danach. Das für ihn »unmoralische Ansinnen« seines Bischof, sich von der Mutter des Kindes zu trennen, lehnte er ab.
Da er nicht mehr kirchenkonform lebte, verlor Denzler gemäß Bayern-Konkordat auch seinen Lehrstuhl an der Universität Bamberg, den er damals seit mehr als zwei Jahren, seit 1971, innehatte. Unter Kultusminister Hans Maier (CSU) einigte man sich jedoch auf eine Lösung, wie sie später auch für Hans Küng in Tübingen angewandt wurde: Denzlers Lehrstuhl wurde aus der Theologischen Fakultät ausgegliedert und direkt dem Rektorat unterstellt. So konnte der Wissenschaftler bis zu seiner Emeritierung 1998 lehren.
Seine Suspension als Priester wurde 1973 von vielen Presseorganen aufgegriffen. Denzler selber schrieb dazu, er habe »die Öffentlichkeit nicht gescheut, auch nicht das Fernsehen«, weil er hoffte, mit dieser Breite könnte die »Diskussion um die Fragwürdigkeit des Zölibatsgesetzes« belebt werden: »Jesus Christus fordert von keinem Priester unfreiwillige Ehelosigkeit.«
Mit Stolz und Widerstandsgeist feierte Denzler im Jahr 2005 auch sein Goldenes Priesterjubiläum. Einen Antrag auf Rückversetzung in den so genannten Laienstand hatte er abgelehnt, und er blieb bis zu seinem Lebensende dabei. Laut katholischer Lehre, so Denzler, stelle die Priesterweihe für den Geweihten ein »unauslöschliches Merkmal« dar; eine Laisierung sei deshalb dogmatisch gar nicht möglich. In der Laisierung sah er »nichts anderes als einen bösen kirchenrechtlichen Trick«, der den Priester beim Kirchenvolk als Mann ohne Rechte erscheinen lassen solle.
Denzlers Frau Irene, die er als nicht laisierter Priester nur standesamtlich hatte heiraten können, starb vor sechs Jahren. Die Todesanzeige für Denzler in der Süddeutschen Zeitung haben seine Tochter und sein Sohn aufgegeben, keine kirchliche Stelle. Über dem Text steht der Satz des heiligen Franziskus: »O Herr, in deinen Armen bin ich sicher. Wenn du mich hältst, habe ich nichts zu fürchten.«

Personen und Konflikte