Bodo Ramelow
Bodo Ramelow, früherer thüringischer Ministerpräsident und Politiker der Linkspartei, hat die Kirchen aufgefordert, auf AfD-Wähler zuzugehen. Wenn Menschen sagten, die AfD sei ihre politische Heimat, dürfe man sie nicht verurteilen. »Es geht darum, miteinander ins Gespräch zu kommen«, sagte der Politiker im Kölner Domradio. In der Auseinandersetzung mit AfD-Anhängern sollten Kirchenvertreter klar sein, was Werte und Positionen angeht – nicht hart, aber eindeutig. »Diese Klarheit macht zugleich deutlich, wie einladend Kirche sein kann.«
Gleichzeitig wirbt Ramelow dafür, kirchliche Gebäude als Treffpunkte für die demokratische Gegenbewegung zu öffnen. Dies könne auch Menschen mit den Kirchen in Kontakt bringen, die keinen Bezug zu ihr haben. Als Beispiel nannte er die Gottesdienste und die Friedensgebete bei den Kundgebungen gegen den AfD-Bundesparteitag in Erfurt. Dort seien 1500 jungen Leute zusammengekommen. Die meisten seien noch oder fast nie in einem Kirchenraum gewesen. »Kirche ist nicht einfach nur die Amtskirche, sondern Kirche ist der Ort, wo wir uns treffen.«
Ramelow selbst ist Mitglied der evangelischen Kirche. Er stammt aus Niedersachsen und ging nach der Wende nach Thüringen, wo er zunächst als Gewerkschafter aktiv war und 1999 für die PDS in den Landtag gewählt wurde. Von Ende 2010 bis 2020 war er mit einer kurzen Unterbrechung Ministerpräsident. In dieser Zeit erlebte er den Aufstieg der AfD mit – und des besonders radikalen Thüringer Landesverbandes mit Björn Höcke an der der Spitze. Inzwischen ist Ramelow Abgeordneter der Linkspartei im Bundestag und Vizepräsident des Bundestags.

Personen und Konflikte