Geister und Gespenster
Im ersten Film – »Boris sans Beatrice« – betrügt ein sehr reicher, sehr arroganter und sehr unsympathischer Mann seine Frau, die an Depression und Melancholie leidet. Es bleibt zwar rätselhaft, warum alle Frauen sofort mit diesem unsympathischen Mann Sex haben wollen und warum der kanadische Premierminister mit seinem Hubschrauber in dessen Garten landet, nur um ihn zu ermahnen, sich besser um seine Frau zu kümmern- aber die Finessen des Drehbuches können hier nicht vertieft werden. Jedenfalls taucht in der Mitte des Films aus dem Nichts ein hässlicher Zwerg in priesterähnlichen Gewändern auf und erklärt dem Mann, dass es seiner Frau noch viel schlechter gehen wird, wenn der Mann nicht sein Verhalten ändert. Das gelingt bei einem sexsüchtigen Mann, wie man sich denken kann, nicht sofort – aber am Ende schließlich doch. Der Geist ist anscheinend zufrieden und ward nie mehr gesehen.
Im zweiten Film – »Midnight Special« – entführt ein Vater sein Kind aus den Fängen einer Sekte und bringt damit nicht nur die Gläubigen gegen sich auf, sondern auch den amerikanischen Geheimdienst. Die Sektenmitglieder sehen in dem Kind ihren Propheten, der den letzten Erdentag berechnet. Der Geheimdienst hält das Kind für einen Landesverräter. Zum Schluss stellt sich heraus, dass das Kind gar kein Mensch ist, sondern ein Außerirdischer, der Funksignale abhören und Satelliten abstürzen lassen kann.
Im dritten Film – »Grüße aus Fukushima« – kehrt eine Geisha in die radioaktiv verseuchte Sperrzone zurück, baut ihr Haus wieder auf und muss sich mit dem umherirrenden Geist ihrer Schülerin, die bei dem Unglück gestorben ist, auseinandersetzen. Erst das Werfen mit Salzkörnern und eine buddhistische Zeremonie bringen etwas Erleichterung.
Ich habe fünf Jahre Theologie studiert. Aber so eine geballte Ladung Metaphysik ist mir noch nicht untergekommen. Ich frage mich, ob die S-Bahn, die mich vom Zoopalast zurück ins Hotel bringt, nicht doch von einem außerirdischen Sektenmitglied gesteuert wird, stelle mir vorsichtshalber ein Schälchen Salz auf den Nachttisch und gelobe feierlich, morgen nur noch vier Filme zu schauen.
