Buchbesprechungen
Von Bibel bis Business Class
Elisabeth Birnbaum (Hg.)
Einblickbibel
Die Einheitsübersetzung mit Orientierungshilfen. kba. 1690 Seiten. 35 €
Ungewöhnlich sind die Konzeption und Gestaltung dieser Bibel. Zwar präsentiert sie die Einheitsübersetzung aller deutschsprachigen katholischen Bistümer in gut verständlichem Deutsch, wie alle anderen derartigen Bibelausgaben. Doch hat sie auch in der Bibellektüre Ungeübte im Blick und bietet durch eine klare Struktur und viele Hilfen einen leichten Zugang. So dankt die Herausgeberin und Direktorin der Österreichischen Katholischen Bibelanstalt, Elisabeth Birnbaum, drei Personen, die das aufwändige Werk gelungen umgesetzt haben. Dazu gehören kluge Einführungen (auch zu jedem biblischen Buch), Lesehilfen durch einen Quick-Guide mit Farbeinteilung der Buchgruppen von den fünf Büchern Mose bis zur Offenbarung des Johannes sowie Icons, die etwa für die intuitive Lektüre oder für die Lektüre besonders spiritueller Passagen Orientierung bieten. Auf der Randspalte jeder Seite finden sich Kurzkommentare und Verständnishilfen, die nicht nur pointiert sind, sondern auch gut reflektierte theologische Aspekte einbringen. Norbert Copray
Margit Eckholt/Severin Parzinger (Hg.)
Schöpfung und ökologische Transformation
Grünewald. 466 Seiten. 58 €
In Krisenzeiten denken Menschen über die Schöpfung nach. So vor 2500 Jahren, als die Identität des jüdischen Glaubens im Babylonischen Exil auf dem Spiel stand und der erste Schöpfungsbericht in Auseinandersetzung mit der politischen Situation und den großen Mythen formuliert wurde. Man schaute auf die Anfänge, um die Zukunft verantwortlich zu gestalten. Heute werden keine Schöpfungsberichte geschrieben, aber neu interpretiert. Die beiden Theologieprofessoren Margit Eckholt und Severin Parzinger stellen sich den aktuellen Krisen und suchen gemeinsam mit Bischöfen und Wissenschaftlern aus Europa und Lateinamerika nach philosophischen und theologischen Perspektiven. Franziskus’ Enzyklika »Laudato si’« wird immer wieder als ökologisches Manifest herangezogen, das alles mit allem in Beziehung setzt und eine gegenseitige Verantwortlichkeit begründend einfordert. Auf hohem wissenschaftlichem Niveau ringen alle um den Auftrag, den sie in der Relektüre der Schöpfungserzählungen finden. Anregend und lesenswert! Torsten Habbel
Simone und Claudia Paganini
Zwischen Wahn und Weisheit
Gütersloher. 256 Seiten. 20 €
Das Autorenehepaar wagt sich in dieser populärwissenschaftlichen Studie an das spannende Thema der »psychischen Erkrankungen im Leben biblischer Gestalten« heran. Dabei fließen Simone Paganinis bibelwissenschaftliche Kenntnisse als Professor an der RWTH Aachen ein sowie Claudia Paganinis Fachwissen als Therapeutin und Privatdozentin für angewandte Ethik an der Universität Innsbruck. In Abgrenzung von den Worten Papst Leo XIV. auf der Jahrestagung der Exorzisten arbeiten sie anhand von verschiedenen Krankheitsbildern und jeweils mit Belegen aus dem Alten und Neuen Testament die These heraus, dass auch die psychisch auffälligen Protagonisten der Bibel ihren Part in der Heilsgeschichte Gottes haben und darin integriert sind – und nicht ausgegrenzt. Das liest sich spannend, doch manchmal könnte man sich fragen, ob die Bibel nicht sehr langweilig wäre, ohne all die psychischen Störungen ihrer Hauptfiguren. Im Epilog arbeiten die Autoren die Subjektivität der biblischen Schriftsteller heraus und die Projektionen ihrer eigenen Gefühle auf Gott – und vielleicht auch manchmal auf die biblischen Personen –, was wohl auch eine Art von Traumabewältigung war. Das liefert spannende Einblicke und wäre auch ein gutes Vorwort als Lesehilfe gewesen. Bettina von Kienle
Thomas A. Seidel/
Rochus Leonhardt (Hg.)
Kreuzzüge und Friedensdienste
EVA. 216 Seiten. 38 €
Zehn Stimmen aus der evangelischen Friedensethik sind in diesem Sammelband über »Das Christentum zwischen Bibel und Schwert« zusammengetragen. Von Eckpunkten eines militärischen Widerstandsrechtes (von Thomas A. Seidel mit Blick auf Dietrich Bonhoeffer) hin zu einem jesuanischen Pazifismus auch in den globalen Umbrüchen unserer Tage (von Johann Friedrich Kramer, Bischof der Landeskirche in Mitteldeutschland und Friedensbeauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland) ist der thematische Bogen weit gespannt. Einig sind sich die Autorinnen und Autoren in der Verabschiedung der alten Lehre vom gerechten Krieg. Erkenntnisreich sind die kirchenhistorischen Überlegungen zu Bernhard von Clairvaux und Martin Luther, die Vorschläge zu einer neuen Weltfriedensordnung (von Hans-Lothar Domröse, General a. D. und ehemaliger Nato-Befehlshaber). Insgesamt zeichnet der Sammelband das Bild eines pluralen Protestantismus auch in den Fragen zu Krieg, Sicherheit und militärischer Gewalt. Der Vorrang der Gewaltfreiheit und der zivilen Konfliktbearbeitung wird bekräftigt und gleichzeitig eingeordnet in die Option der »rechterhaltenden Gewalt« als Ultima Ratio. Thomas Wagner
Martin Suter
Können Sie mich sehen?
Diogenes. 208 Seiten. 26 €
Der Untertitel erschließt, worum es geht: »Die Business Class im Homeoffice«. Der Schweizer Bestsellerautor schreibt in dieser Sammlung seiner Kolumnen spöttisch über die Oberkaste im Unternehmen, die CEO, und das mit dem sichtlichen Vergnügen des Pöbels. Er macht sich mit feinem Humor lustig über diese Wichtigtuer, die sich erhaben fühlen und irritiert sind, wenn Frauen in ihrer Runde auftauchen. Suters subversive Geschichten entlarven das Getue derer, die sich wichtig nehmen. Da geht es um Sex, Machtspielchen und Intrigen. Spätestens seit Corona hat sich die Arbeitswelt für Manager im Unternehmen verändert. Sie sitzen im Homeoffice und fragen: Können Sie mich sehen? Die Frage ist doppeldeutig und nicht nur zur technischen Vergewisserung gemeint. Den Kadern entgleitet die Kontrolle. Suters Kolumnen sind eine wunderbare, köstliche Sommerlektüre. Doch gewarnt sei: Als mögliches Geschenk für jemanden aus dieser Kaste kann es Nebenwirkungen hervorrufen, wenn der entlarvende Humor nicht verstanden wird. Franz Segbers
Fabian Vogt/Svenja Neumann/Axel Ebert/Simone Möhring
Ehre & Amt
edition chrismon. 86 Seiten.
10 €
Mit einem Augenzwinkern werden in diesem Bändchen aus dem Umkreis der Arbeitsstelle midi der Evangelischen Kirche in Deutschland zwölf Ermutigungen für die Kirche von morgen vorgelegt. Eingeflochten sind biblische Grundlagen und der Gedanke des Priestertums aller Gläubigen von Martin Luther. Auf dem Hintergrund der manchmal etwas holzschnittartigen Darstellung des aktuellen Gemeindealltags wird die ehrliche Suche nach einer neuen Form des gemeindlichen Engagements jenseits des Grabens zwischen Ehren- und Hauptamt und die Entdeckung des Glaubens im Alltag deutlich. Wie Menschen, die keine Möglichkeit zu einem ehrenamtlichen Engagement haben, in dieser Mitmachkirche ihren Ort finden, bleibt offen. Bereichernd wäre sicher auch die ökumenische Perspektive gewesen. Im Hintergrund zeigt sich die Dringlichkeit einer theologischen Klärung des protestantischen Amtsverständnisses. Die leicht lesbaren Abschnitte schließen jeweils mit einer Frage und Anregung und eignen sich für die motivierende Arbeit. Mathias Wolf

