Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2021
Hinterm Horizont
Aussichten nach Corona
Der Inhalt:

Tierethik
»Das Christentum ist nicht tierfreundlich«

von Michael Schrom vom 24.01.2021
Das Artensterben wird immer dramatischer ist. Was fehlt, wenn uns die Tiere fehlen? Ein Gespräch mit der Dortmunder Theologin Simone Horstmann
Theologin mit Huhn: Simone Horstmann vertritt eine nicht-anthropozentrische Theologie (Foto: Privat)
Theologin mit Huhn: Simone Horstmann vertritt eine nicht-anthropozentrische Theologie (Foto: Privat)

Publik-Forum: Frau Horstmann, was hat die Theologie über Tiere zu sagen, das über die Erkenntnisse von Zoologie, Biologie und Ökologie hinausgeht?

Simone Horstmann: Die Theologie verfügt über einen Naturbegriff, der uns eine geschärfte Wahrnehmung anderer Lebewesen ermöglichen könnte. Ein wichtiger Perspektivwechsel auf die Wirklichkeit nicht-menschlicher Lebewesen könnte darin bestehen, auch deren Leben unter der Kategorie der Transzendenz zu betrachten.

Wie meinen Sie das?

Horstmann: Spätestens seit Descartes gilt in umfassender Weise, was die Theologie zuvor schon über die Tiere dachte – dass sie bloße Natur, natura pura, seien, die quasi fixiert ist, mechanisch funktioniert und darüber hinaus zu keinen seelischen Empfindungen fähig ist. Wir wissen zwar aus der Verhaltensforschung, dass das nicht stimmt, aber wir ziehen keine Konsequenzen im Umgang mit Tieren. In der klassischen Theologie wird »Natur« dagegen immer im Zusammenhang mit der übernatürlichen »Gnade« gedacht. Natürlich hat die Theologie vor allem den Menschen im Blick, aber es bietet sich an, dieses Denkmodell auf die Tiere auszuweiten.

Wie sinnvoll ist es, theologische Begriffe – etwa Seele – auf die Tierwelt zu übertragen?

Horstmann: Ihre Frage klingt so, als wären diese Begriffe gänzlich tierfern entstanden. Es geht aber nicht ausschließlich darum, Begriffe kreativ zweckzuentfremden oder dadurch die Tiere wieder mehr in die menschliche Gemeinschaft hereinzuholen. Diese Versuche gibt es, und ich finde sie nicht unsympathisch. Doch die grundlegende Gotteserfahrung, von der die Bibe

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Kommentare
Ihr Kommentar
Noch 1000 Zeichen
Wenn Sie auf "Absenden" klicken, wird Ihr Kommentar ohne weitere Bestätigung an Publik-Forum.de verschickt. Sie erhalten per E-Mail nochmals eine Bestätigung. Der Kommentar wird veröffentlicht, sobald die Redaktion ihn freigeschaltet hat. Auch hierzu erhalten Sie ein E-Mail. Siehe dazu auch Datenschutzerklärung.

Mit Absenden des Kommentars stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten zur Bearbeitung des Kommentars zu. Zum Text Ihres Kommentars wird auch Ihr Name gespeichert und veröffentlicht. Die E-Mail-Adresse wird für die Bestätigung der Bearbeitung genutzt. Dieser Einwilligung können Sie jederzeit widersprechen. Senden Sie dazu eine E-Mail an [email protected].

Jeder Artikel kann vom Tag seiner Veröffentlichung an zwei Wochen lang kommentiert werden. Publik-Forum.de behält sich vor, beleidigende, rassistische oder aus anderen Gründen inakzeptabele Beiträge nicht zu publizieren. Siehe dazu auch Netiquette.