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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2019
Sind wir noch zu retten?
Was in der Klimakrise hoffen lässt
Der Inhalt:

»Ich will kein Rohingya-Mädchen mehr sein«

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 29.10.2019
Sozialprotokoll: Eine junge Frau flüchtet vor der Vertreibung durch das Militär Myanmars – und vor ihrer eigenen, patriarchalen Gesellschaft
Fühlt sich frei in Bangladesch: Die 20-jährige Khadia Begum aus Myanmar (Foto: Rheinheimer-Chabbi)
Fühlt sich frei in Bangladesch: Die 20-jährige Khadia Begum aus Myanmar (Foto: Rheinheimer-Chabbi)

Wissen Sie, was das Schlimmste in den Flüchtlingslagern der Rohingya ist? Die Respektlosigkeit und die Gesetzlosigkeit, die dort herrschen, der Umgang miteinander. Ich bin so froh, dass ich außerhalb der Camps lebe. Das ist nicht ganz legal, aber die Familie, bei der ich als Hausmädchen arbeite, hat mir einen neuen Namen gegeben und mir eine gefälschte Geburtsurkunde besorgt. Sie sagen, damit kann ich einen bangladeschischen Ausweis beantragen und ganz offiziell hier leben. Ich wünsche mir so sehr, dass das klappt!

Mit meiner Familie bin ich 2011 von Myanmar nach Bangladesch gekommen. Das war noch vor der Massenflucht, bei der so viele meiner Landsleute getötet oder vertrieben wurden. Aber auch damals ging es uns schlecht. Wir hatten Angst, gefoltert zu werden. Wir lebten nur wenige Kilometer von der Grenze entfernt. Mein Vater arbeitete als Tagelöhner in Bangladesch. Als die Armee Myanmars immer näher kam, verkaufte er das Stück Land, das er besaß, und floh mit uns Kindern über die Grenze.

»Ich bin weggelaufen. Wieder und wieder.«

Als wir in Bangladesch ankamen, ist meine Familie ins Camp gegangen. Ich aber habe mich nach Chittagong durchgeschlagen – etwa 150 Kilometer weit weg. Mit dem Auto ist es eine halbe Tagesreise dorthin. Ich war damals etwa elf Jahre alt. Meine Familie hat sich nie wirklich um mich gekümmert. Deshalb bin ich abgehauen. Ich bin mit einer Stiefmutter aufgewachsen, aber die starb schon in Myanmar. In Chittagong habe ich ein paar Jahre als Hausmädchen gearbeitet. Dann bin ich weggelaufen, weil ich mich verliebt hatte. Wir haben geheiratet – nicht offiziell, aber in einer religiösen Zeremonie. Kurz danach habe ich herausgefunden, dass er schon verheira

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