Franziskus reist an die Ränder der Welt
Papst Franziskus hat jüngst mit seiner August-Reise nach Südkorea klare Zeichen gesetzt: Ziel seiner ersten Tour nach Fernost waren nicht die »kolonial-katholischen« Philippinen mit ihren über 80 Millionen Katholiken sondern Korea – also eines der ganz wenigen Länder außerhalb Europas, in die das Christentum nicht auf den Schwertern und Bajonetten der Kolonialmächte und des westlichen Imperialismus getragen wurde.
Fröhlich winkend im Kleinwagen
Die Staatskarosse, die ihm die Regierung in Seoul aufdrängte, hat Franziskus mit einem bestimmten Lächeln verweigert. Er fuhr lieber im Kleinwagen aus koreanischer Produktion durch das ostasiatische Land. Was zu vielen Medienkommentaren führte, denn der Papst führte auf diese Weise den südkoreanischen Eliten ihre Geldgier, materialistische Verflachung und ihren Status-Wahn vor.
Er besuchte Arbeiter und deren Gemeinden, Stätten der sozialen Kämpfe um Gerechtigkeit und vor allem die begeisterten jungen Christen. Zur seiner Seligsprechungs-Festmesse für 124 koreanische Märtyrer aus dem 18.Jahrhundert kamen über 800 000 Menschen. Mit seinen Aufrufen zur Verständigung mit Nordkorea sowie zu Dialog, zur Abkehr vom Materialismus und zur Fürsorge für die Schwachen kritisierte Franziskus implizit die Politik von Staatspräsidentin Park Geun Hye. Die Ex-Katholikin ihrerseits antwortete mit einer Rede, die dokumentierte, dass von dieser sozialkritischen päpstlichen Botschaft nichts hängen geblieben war.
Das Steinzeit-kommunistische Regime in Nordkorea begrüßte den Papst mit dem Abschuss von Mittelstreckenraketen. Und Chinas machtgierige Bosse mussten sich damit abfinden, dass er ihnen ins Stammbuch schrieb, sie sollten sich nicht »unter dem Deckmantel der Religion« in die Kirchen einmischen.
Die nächste Reise wird Franziskus nach Albanien führen, in eines der ärmsten und zugleich neureichen Länder Osteuropas, das tief in vielerlei Krisen steckt. »Einige sagen, der Papst habe einen Stil, an der Peripherie anzufangen«, sagte Franziskus hierzu auf seinem Heimflug von Seoul nach Rom. Er beschrieb damit treffend sich selber.
Eine sehr persönliche Landkarte Italiens
Hoch mobil: Auch in Italien war Franziskus bereits sieben Mal als reisender Missionar unterwegs, nicht gerechnet die Besuche bei den Gemeinden in Rom und im Umland. Er reiste in den ersten anderthalb Amtsjahren öfter zu den Christen zwischen Adria, Ionischem und Tyrrenischen Meer als seine Vorgänger Johannes Paul II. und Benedikt XVI.
Die italienischen Reiseziele offenbaren Franziskus' Vorliebe für die benachteiligten Randgebiete und ihre Menschen: Zuerst besuchte er die Flüchtlinge auf Lampedusa. Dann sprach er auf der von Arbeitslosigkeit geplagten Mittelmeerinsel Sardinien. Mit der Region Kalabrien und der Provinzstadt Caserta unweit von Neapel reiste er in arme Landstriche im Würgegriff des organisierten Verbrechens – Franziskus im Land der N'drangheta, der Mafia und der Camorra. Die von starker Abwanderung gebeutelte süditalienische Region Molise schließlich, wo er den profilierten »Anti-Mafia«-Erzbischof Giancarlo Bregantini besuchte, gilt als nahezu völlig unbedeutend unter den Regionen Italiens.
Franziskus meidet bislang auffällig die »vollfetten« Metropol- Regionen, in denen die katholische Kirche mächtig und institutionell stark aufgestellt ist: Mailand, Turin, Genua, Bologna, Florenz. Beginnen sich die Gewichte in der Kirche Italiens zu verschieben, aus den etablierten Zentren an die »Ränder«?
Zugleich reisen von Brixen bis Syracus in Scharen die Gläubigen zu Franziskus nach Rom. Die Zahl der Teilnehmenden an den für jedermann offenen Mittwochsaudienzen beträgt ein Mehrfaches als unter seinem Vorgänger Benedikt. Die auf diese Art gezeigte Zustimmung der Leute zu ihrem Papst Franziskus flaut bislang nicht ab.
