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Geist und Sinn
Meine Freunde, die Magier

Die Heiligen Drei Könige im Wetzlarer Dom.
von Eva-Maria Lerch vom 06.01.2026
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Recht heiter unterwegs: Die Weisen aus dem Morgendland. (Foto: wikimedia/Cherubino)
Recht heiter unterwegs: Die Weisen aus dem Morgendland. (Foto: wikimedia/Cherubino)

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Der Mensch, der dieses Fresko gemalt hat, könnte ein Komiker gewesen sein. Oder ein früher Vertreter der alternativen Bewegung. Seine Heiligen Drei Könige sehen jedenfalls eher wie Hippies als wie mächtige Monarchen aus. Mit ihren struppigen Bärten, langen Haaren und den schlichten Gewändern in Jutefarben eilen sie dem göttlichen Kind auf bloßen Füßen mehr tänzelnd als majestätisch entgegen.

Das Wandbild aus dem 14. Jahrhundert ist im Südschiff des Wetzlarer Doms zu sehen. Obwohl es hier noch viele andere beeindruckende Malereien und Statuen gibt, suchen meine Augen bei fast jedem Besuch die drei wandernden Könige auf. Der leise Schalk der Gestalten zieht mich an, und manchmal bilde ich mir ein, dass sie zu mir herunterblinzeln. Meine Freunde, die Magier.

Der erste König

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Jürgen Römer 30.01.2026:
Dieser Beitrag hat mir als Mediävisten die Haare zu Berge stehen lassen angesichts der Anachronismen und sachlichen Fehler, mit denen er gespickt ist. Der dritte König sei hier eine Frau, behauptet ohne jeden Nachweis die Autorin. Das ist vollkommen an den – im Gesicht des jüngsten Königs nicht vorhandenen – Haaren herbeigezogen, ja geradezu eine Verschwörungstheorie, mit der die heutigen Sichtweisen einer sehr vergröberten feministischen Theologie in eine Zeit rückprojiziert werden, in die sie nicht gehören. Diese Figur hat keinen Bart, weil die Heiligen Drei Könige spätestens seit dem 13. Jahrhundert die drei Lebensalter symbolisieren sollten, also hier einen jungen, noch bartlosen Mann. Mit einer Frauendarstellung hat das nichts zu tun. Das Wandbild stammt aus einer Zeit, in der die Wandlung der »Magier« zu »Drei Heiligen Königen« in der Kunst nicht nur längst abgeschlossen, sondern in einer Weise kanonisiert war, dass diese Bilder stereotype, feststehende Motive aufweisen, durchaus in dieser Hinsicht vergleichbar mit den Ikonen der Ostkirchen. Die Krone des linken Königs ist nicht praktisch zur Reise verpackt, wie die Autorin insinuiert, sondern er hat sie als Zeichen der Ehrerbietung gegenüber dem noch größeren König Jesus Christus abgenommen, ebenfalls absolut typisch in dieser künstlerischen Epoche. Ist es zu viel verlangt, vor einer künstlerischen Äußerung einer für uns recht fremden Kultur, der des europäischen Mittelalters nämlich, einen gewissen Respekt zu haben? Ist das »lockere« Umgehen damit nicht eine Art der kulturellen Aneignung, die wir zu Recht seit geraumer Zeit im Umgang mit künstlerischen Erzeugnissen anderer fremder Kulturen kritisieren und zurückweisen?

Mario Crola 30.01.2026:
»Die Krone des Königs ganz links ist reisetauglich verpackt.« Beim Versorgen der Krippenfiguren für das Jahr 2026 ist mir aufgefallen, dass meine zwei Könige eine Krone auf ihren Häuptern tragen, jedoch der dritte König fehlt. Die Krippenfiguren sind aus Olivenholz geschnitzt und stammen aus einer Manufakturwerkstätte in Palästina, erworben in einem Dritte-Welt-Laden. Beim Lesen des Artikels von Eva-Maria Lerch kam mir die Heiterkeit des dritten Königs, abgebildet im Fresko des Wetzlarer Doms, tröstend entgegen. In meiner Krippenfigurensammlung befindet sich eine Figur mit einem Hümmelchen-Dudelsack unter dem Arm, was eher zu der Mannschaft der Hirten gehört, der aber eine Wechselspiel-Flöte im Mund trägt. Nach diesem heiteren Text bin ich für den Verlust des dritten Königs ohne Krone bestens entschädigt und freue mich, am 6. Januar 2027 dem Dreikönigstag, den Kindern die Geschichte des musizierenden Königs zu erzählen.

Georg Lechner 28.12.2025, 09:49 Uhr:
Ein herrlich entmythologisierender Artikel .... und eine Frau als Weise, was der Amtskirche klarerweise nicht geheuer war ... Die Kronen bei den Figuren bezeichnen wohl nicht weltliche Macht, sondern eine Adelung der Betreffenden als Suchende. Damit ist das Spannungsverhältnis zwischen weltlicher (und geistlicher) Macht einerseits und der Herrschaftskritik der (monotheistischen) Religionen (die bei den konfessionellen Überlieferungen allzu oft unterbelichtet bleibt) auch thematisiert.

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