Kämpft für die Nonnen!
Seit rund zwei Jahren findet ein Kampf der römischen Glaubensbehörde gegen die Organisation amerikanischer Nonnen statt. Die Leadership Conference of Women Religious (LCWR) vertritt achtzig Prozent der 56 000 US-amerikanischen Ordensfrauen. Alle Frauenorden wurden einer Visitation unterzogen. Ihre Arbeit, vor allem in sozialen Belangen, und ihre feministisch-theologische Ausrichtung wurden gerügt. Nun soll sich der Dachverband nicht mehr selbst verwalten dürfen, sondern wird unter die Aufsicht von Bischöfen gestellt. Das ist ein Skandal!
In den USA sind diese Frauen zumeist gut ausgebildet, viele davon sind anerkannte Theologinnen, manche auf Lehrstühlen. Auch hierzulande sind zum Beispiel Elizabeth Johnson und Margaret Farley bekannt, wichtige Werke sind ins Deutsche übersetzt.
Der Vorwurf: Eigene Positionen in der Sexualethik
Inzwischen hat die Drangsalierung aus Rom geradezu diktatorische Formen angenommen. Höhepunkt der Kritik ist, dass sie feministische Positionen vertreten, »die mit der katholischen Glaubenslehre unvereinbar sind«. Natürlich geht es wieder einmal auch um die Sexualethik. Die Ordensfrauen würden nicht die römischen Positionen verteidigen, sondern gingen eigene Wege.
In der Tat verstehen sie sich wohl nicht als Abgesandte Roms, sondern als zur Nachfolge Christi berufen mit den Gelübden »Armut, Gehorsam und Keuschheit«! Die meisten von ihnen arbeiten an Orten, von denen man im Vatikan keine Ahnung hat, kümmern sich um die ärmsten und am meisten benachteiligten Personen, gehen in Elendsviertel. Sie leisten eine ungeheuer anstrengende, uneigennützige Arbeit – und werden dafür abgekanzelt wie kleine Schulmädchen.
Roms Vorgehen irritiert in den USA
Das Ergebnis einer reinen Männerkommission – veröffentlicht am 18. April 2012 –, die Mehrheit der US-Nonnen würde ihre Aufgabe falsch verstehen, hat in den USA größte Irritationen ausgelöst. Die Schwestern genießen nämlich in ihrem Land Vertrauen und Anerkennung. Das Vorgehen Roms ist somit geeignet, auch noch die letzten Frauen aus der Kirche zu vertreiben.
Der Pontifex Maximus, der römische Kaiser, verfolgte in den ersten Jahrhunderten die Christen. Bedrückend ist, dass der neue Pontifex Maximus nun die eigenen Leute verfolgt.
Aufruf, sich mit den Nonnen zu solidarisieren
Leider hat die Solidarität mit den amerikanischen Schwestern aber Europa noch kaum erreicht. Gegenüber manchen weniger gewichtigen Konflikten wird zu diesem größten aktuellen Skandal überwiegend geschwiegen. Ich bin empört und rufe alle auf, sich mit diesen Schwestern gegen die römische Inquisition zu solidarisieren!
Vor allem Frauenverbände, allen voran die Europäische Gesellschaft für theologische Forschung von Frauen (ESWTR), bitte ich ganz dringend, alles einzusetzen, um diesen Machenschaften entgegenzutreten. Wann endlich wird dieser Männlichkeitswahn in der römisch-katholischen Kirche enden? Oder geht sie daran zugrunde?
