Frauen und Blumen und Streit
Der Zankapfel ist ein Gedicht. Auf Spanisch. Seit sechs Jahren prangt es an der Südfassade der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin und lautet übersetzt: »Alleen / Alleen und Blumen / Blumen / Blumen und Frauen / Alleen / Alleen und Frauen / Alleen und Blumen und Frauen und / ein Bewunderer«. In seiner Knappheit ist dieses Loblied auf die weibliche Schönheit durchaus charmant, wenn auch etwas vage; ob es jemals viel Aufmerksamkeit erregt hat, lässt sich nachträglich kaum noch überprüfen. Das änderte sich jedoch schlagartig, als die Studentenvertretung der Hochschule eine Neugestaltung der Wand forderte. Die Studierenden erklärten in einem offenen Brief, das Gedicht reproduziere »eine klassische patriarchale Kunsttradition, in der Frauen ausschließlich die schönen Musen sind, die männliche Künstler zu kreativen Taten inspirieren«, zudem erinnere es »unangenehm an sexuelle Belästigung«, der Frauen alltäglich ausgesetzt seien. Seitdem wird erregt debattiert: Gedichte überstreichen? Darf man das?
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