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»Wir Öl-Junkies«

Die Katastrophe am Golf von Mexiko hat nicht nur mit BP zu tun. Sie hat auch mit uns selbst zu tun. Ein Zwischenruf
von Undine Kurth vom 23.07.2010
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Der Ölfluss ins Meer scheint gestoppt, zumindest fürs Erste. Doch die Ölschwaden ziehen weiter durch den Golf von Mexiko. Da stellen sich grundsätzliche Fragen. Was treibt die großen Konzerne, aber auch uns alle, die wir doch sonst so stolz auf unsere vorhersehenden Fähigkeiten sind, zu so leichtfertigem Tun? Ist es das kapitalistische Wirtschaftssystem mit seiner ungezügelten Gewinnsucht? Ist es die Schlamperei der Nationalen Aufsichtsbehörde? Sicher ist es das beides auch. Aber reicht das als Antwort? Hat dieses Unglück auch etwas mit uns selbst zu tun? Ich denke ja. Es ist unsere Gier nach Öl, die ständig befriedigt werden muss. Wir alle sind zu »Öl-Junkies« geworden, zu Süchtigen, bereit, jedes noch so große Risiko einzugehen, um an »unseren Stoff« zu kommen. Genau das ermutigt die Wirtschaft zu immer riskanteren Fördermethoden. Solche, die vor Jahren noch tabu waren. Wir lassen zu, dass die Ölförderung in Gebiete vordringt, die wir kürzlich noch für schützenswert hielten. Doch die Bereitschaft zum unkalkulierbaren Risiko beschränkt sich nicht auf die Ölförderung allein. Um auf Kohleverstromung und den Bau neuer Kohlekraftwerke nicht verzichten zu müssen, rechnen wir uns das Kohlendioxid-Problem mit einer in ihren Langzeitwirkungen völlig unerforschten Speichertechnik weg. CCS heißt das Zauberwort. Um auf die Nutzung von Atomenergie nicht verzichten zu müssen, organisieren wir uns das Atommüllproblem in untaugliche Endlager weg. Selbst die katastrophale Situation in der Asse lässt die Debatte nicht verstummen.

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