Radikaler Neubeginn?
Wer sich als Papst Franziskus nennt, darf nicht herrschen – sofern er es ehrlich meint mit seiner Verehrung des heiligen Franz von Assisi. Das hat der Jesuitenkardinal Jorge Mario Bergoglio verstanden, als er sich für einen Namen entschied, den bisher kein Papst zu wählen wagte. Wird doch Franziskus von Assisi (1182-1226) als der »zweite Christus« verehrt; so rein und lauter war sein Leben, so radikal wollte er dem armen und gewaltfreien Jesus von Nazareth entsprechen. Es könnte wie eine Blasphemie erscheinen, wenn diesem zweiten Christus jetzt ein päpstliches Gesicht gegeben wird. In den ersten Tagen seines Pontifikates macht der Papst seinem Namenspatron alle Ehre: Er verzichtet auf prunkvolle Gewänder und die eleganten roten Schuhe; nach dem ersten Sonntagsgottesdienst verabschiedet er sich per Handschlag von den Gläubigen; er segnet – franziskanisch als Freund der Tiere – einen Blindenhund; er lässt sich von den begeisterten Menschen umarmen. Der Papst liebt wie Franziskus die einfache Rede ohne intellektuelle Höhenflüge; er macht Scherze, redet frei, ohne gestanzte Formeln. Dem Volk nahe sein, die Herzen der einfachen Leute gewinnen, das ist sein Ziel. Denn er steht unter Druck. Er muss förmlich und vehement um Sympathie werben und das menschfreundliche Gesicht der römisch-katholischen Kirche zeigen.
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