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Morgenland im Abendland

Zu den Wurzeln des Westens gehöre die jüdisch-christliche Tradition, heißt es. Doch das ist nur die halbe Wahrheit
von Hans Torwesten vom 13.02.2015
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Wenn Russlands Präsident Wladimir Putin im Bündnis mit der russisch-orthodoxen Kirche den »Westen« für dekadent hält und das »Heilige Russland« zum Bollwerk gegen diese Dekadenz erklärt – kämpft er da gegen das »Abendland« oder verteidigt er dessen Werte? Und wenn fundamentalistische Hindus ihr »Heiliges Indien« am liebsten von allen Fremdkörpern wie Islam und Christentum reinigen möchten – sind sie dadurch mentalitätsmäßig natürliche Verbündete von Pegida-Anhängern, die das Abendland vor einer Überfremdung durch den Islam bewahren wollen? Das Abendland ist keine statische Größe im Fluss der Geschichte, die immer gilt. Dessen wichtigste Wurzel, die jüdisch-christliche Tradition, stammt aus dem »Morgenland« – und man kann mit Recht bedauern, dass Länder wie Syrien oder die Türkei, in denen sich das frühe Christentum ausbreitete, heute nicht mehr christlich sind. Wären sie es, gehörten sie dann zum Abendland?

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