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Aus Liebe zum Leben

Nach den Anschlägen in Paris herrschen Trauer, Entsetzen und Solidarität. Erneut wird die Stadt, die für Aufklärung, Mode, Kultur, für die westliche Lebensart allgemein steht, brutal von Terroristen angegriffen. Getroffen wurden wir alle. Aber was folgt daraus? Die Titelgeschichte im neuen Publik-Forum
von Andrea Teupke vom 19.11.2015
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Blumen hängen in Einschusslöchern in der Rue Alibert in Paris. Europa trauert um die 132 Opfer der Anschläge. Es waren überwiegend junge Menschen, die starben (Foto: pa/dpa/Malte Christians)
Blumen hängen in Einschusslöchern in der Rue Alibert in Paris. Europa trauert um die 132 Opfer der Anschläge. Es waren überwiegend junge Menschen, die starben (Foto: pa/dpa/Malte Christians)

Blau, weiß, rot: So sieht Trauer aus. Gestern leuchtete das Brandenburger Tor in den Farben der französischen Fahne, genau wie die Oper in Sydney, das Riesenrad London Eye oder die Stadtmauer von Jerusalem. Heute liegen vor den französischen Botschaften in vielen Städten Blumen und Karten, häufig verziert mit der Trikolore. Menschen färben ihre Profilbilder bei Facebook blauweißrot ein oder verschicken ihre Twittermeldungen mit einem als Friedenszeichen stilisierten Eiffelturm.

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Die mörderischen Anschläge in Paris haben weltweit Mitgefühl und Entsetzen ausgelöst. Am schnellsten hat die Twitter-Gemeinde reagiert: Noch in derselben Nacht bekam die Trauer dort Namen wie #NousSommesUnis (»Wir sind vereint«) oder #PrayForParis (»Bete für Paris«). Und es gab auch bewegende Gesten: Unter dem Hashtag #PorteOuverte (»Offene Tür«) luden die Pariser wildfremde Menschen in ihre Wohnungen ein, die wegen des nächtlichen Ausnahmezustandes auf der Straße zu stranden drohten.

Eine zutiefst lebensfeindliche Ideologie

Die Welt, in Trauer vereint? Die Welle der Solidarität mit Paris ist bewegend – und berechtigt. Zwar hat der sogenannte Islamische Staat seinen Terror-Angriff damit begründet, dass Frankreich sich in Syrien militärisch engagiert. Doch gemeint waren wir alle, unsere Werte ebenso wie unser Lebensstil. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit: Das sind mehr als nur die Schlagworte der Französischen Revolution, kürzer lässt sich der Wertekanon des Westens nicht zusammenfassen.

Mit geradezu teuflischer Präzision haben die Mörder ein Ziel gewählt, das wie kaum ein anderes als Symbol für die westliche Kultur steht: Paris, die Stadt der Liebe, ist zugleich der Sitz einer der ältesten Universitäten der Welt. Paris steht für Aufklärung wie für Lebenskunst, für Mode wie für Kultur, für Geist wie für Genuss, kurzum, für alles, was den kruden Ideologen des IS zuwider ist.

»Paris, die Hauptstadt der Unzucht und des Lasters«, heißt es in ihrem Bekennerschreiben. »Unzucht und Laster«: Damit sind Freizügigkeit, Toleranz, Lebensfreude gemeint. Ließ sich im Januar, nach dem Massaker an der Redakteuren von Charlie Hebdo, eventuell noch darüber diskutieren, ob »Je suis Charlie« wirklich der richtige Slogan war, ob man sich tatsächlich auch mit bösartiger Satire identifizieren möchte, so ist spätestens jetzt der Zeitpunkt gekommen, zusammenzustehen.

»Nous sommes unis«: Wir sind vereint, twittern Menschen, versprechen Politiker, beschwören Journalisten. Was uns vereinen muss, ist der Kampf für eine Gesellschaft, die lebenswert ist. Denn nicht nur die Methoden des IS sind brutal, grausam und unmenschlich – die gesamte Ideologie, die dahintersteht, ist zutiefst lebensfeindlich. 2004, nach den Anschlägen in Madrid, verkündete Abu Dudschan el Afghani, der »Militärsprecher der Al Qaida für Europa«, in einem Bekennervideo: »Ihr liebt das Leben, und wir lieben den Tod.« Darin gleicht der islamistische Terror dem faschistischen: Auch die Spanischen Faschisten riefen im Bürgerkrieg: »Viva la muerte!« – »Es lebe der Tod.«

Doch was folgt daraus? Sind die derzeitigen Reaktionen auf den Terror angemessen? Und was wird aus den Idealen, für die Frankreich noch immer auch steht: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit? Das lesen Sie im neuen Publik-Forum, das am Freitag, 20.November, erscheint. Mit einem Digital-Abonnenment können Sie den Text hier in voller Länge lesen.

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Schlagwörter: Paris Solidarität Trauer
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