Monika Grütters
Monika Grütters, frühere Kulturstaatsministerin und CDU-Politikerin, hält es für einen Fehler, ungenutzte Kirchen vorschnell aufzugeben oder ihnen eine neue Bestimmung zu geben. Das sagte sie bei einer Podiumsdiskussion in Erfurt. »In Berlin sehe ich durchaus wieder vollere Kirchen. In St. Ludwig etwa muss man mittags beim ›Gottesdienst für Ausgeschlafene‹ pünktlich sein, um überhaupt einen Sitzplatz zu bekommen«, sagte Grütters im Interview mit katholisch.de.
Kirchengebäude seien weit mehr als nur Bauwerke, so Grütters weiter. Sie seien geschichtstragende Räume, soziale Bezugspunkte, kulturelle Identitätsorte und für viele Menschen Räume göttlicher Gegenwart. »Städte und Dörfer haben sich nicht zufällig um Kirchen herum entwickelt. Sie sind häufig das Herzstück eines Ortes und seiner Menschen.«
Ob und wie Kirchen erhalten bleiben, sollten Bistümer oder Landeskirchen jedoch nicht allein entscheiden. Dies müsse unter Einbeziehung der betroffenen Gemeinden und der jeweiligen Stadt- oder Dorfgesellschaft geschehen. »Solche Entscheidungen kann man nicht von oben verordnen.«
Die frühere Kulturstaatsministerin warnte auch davor, Nachnutzungskonzepte allein anhand finanzieller Kriterien zu beurteilen. »Man sollte mit einer gewissen Demut an das Thema herangehen und nicht primär Maßstäbe ökonomischer Verwertbarkeit anwenden«, betonte sie. Für gelungen hält sie die zum Zeitpunkt der Entscheidung durchaus umstrittene Profanierung der Dominikanerkirche in Münster. Das frühere Gotteshaus wird heute ein Ausstellungszentrum mit christlich-geistlichem Bezug genutzt.

Personen und Konflikte