Michael Barenboim
Michael Barenboim, Konzertmeister des West-Eastern Divan Orchestra, kritisiert die Bundesregierung dafür, dass sie weiterhin Israel unterstützt.
Israel fände »immer grausamere Wege, Palästinenser*innen zu töten, ihnen die Lebensgrundlage zu nehmen, sie zu foltern, sie zu entrechten, sie zu unterdrücken, und natürlich sie zu vertreiben, um sich an ihrer Stelle anzusiedeln«, schreibt Barenboim in einem Kommentar für die Wochenzeitung »der Freitag«. Man wolle am liebsten nicht erfahren, »was davon als gemeinsame Werte gilt«, meint Barenboim mit Blick auf die anhaltende Unterstützung aus Deutschland.
Unter anderem Bundeskanzler Friedrich Merz und Außenminister Johann Wadephul hatten die jüngsten Aussagen des israelischen Polizeiministers Itamar Ben-Gvir verurteilt, nachdem dieser gefordert hatte, jede Nacht 30 bis 40 Menschen in Gaza zu töten. Die Aufregung sei »sehr verwunderlich«, schreibt Barenboim und weist darauf hin, dass Ben-Gvir und andere in der israelischen Regierung schon zuvor mit menschenverachtender Rhetorik aufgefallen seien.
Über andere Missstände empörten sich hochrangige deutsche Politiker dagegen nicht, etwa darüber, dass seit dem Waffenstillstand in Gaza weiterhin Kinder getötet würden, dass humanitäre Hilfe blockiert würde und Israel knapp 70 Prozent des Territoriums übernommen habe.
Würden Ben-Gvirs Aussagen zu einem Umdenken in Deutschland führen, könne man das als Teilerfolg verbuchen. Es sehe aber danach aus, schreibt Barenboim, »als würde man versuchen, jede Sanktion ausschließlich an der Person Ben-Gvir auszurichten«.

Personen und Konflikte