Jean-Baptiste de Franssu

Jean-Baptiste de Franssu, langjähriger Aufsichtsratsvorsitzender der Vatikanbank IOR (Istituto per le Opere di Religione), sieht Inkompetenz als Hauptursache für finanzielle Millionenverluste der katholischen Kirche und des Vatikans. Dem französischen Wochenmagazin »Le Point« sagte er: »Die Kirche verliert jedes Jahr Hunderte Millionen.« Die Verluste entstünden durch »schlechtes Management, undurchsichtige Investitionen und finanzielle Manipulationen«. Das Urteil des Bankiers: »Das ist das Geld der Gläubigen, es ist ein absoluter Skandal.«
Finanzvermittler profitierten von der Schwäche religiöser Orden und Bistümer und zögen sie in komplexe und verlustreiche Immobiliendeals hinein. Die Verluste, die das vatikanische Staatssekretariat vor einigen Jahren unter Kardinal Angelo Becciu mit einem Immobilieninvestment in London erlitten hatte, bezifferte de Franssu auf 100 bis 150 Millionen Euro. Der Skandal sei vor allem deshalb aufgedeckt worden, weil die Vatikanbank sich geweigert habe, die überteuerte Finanzierung durch einen Kredit abzudecken.
De Franssu leitete das IOR von 2014 bis Ende April 2026. Unter der Führung des Franzosen konnte die Vatikanbank ihre Gewinne laut der jüngsten Jahresbilanz auf 51 Millionen Euro steigern.




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