Hildegund Keul
Hildegund Keul, katholische Theologin, warnt vor einem erheblichen Erpressungspotenzial der AfD gegenüber den Kirchen, sollte die Partei Regierungsverantwortung übernehmen. Hintergrund ist die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September, bei der die AfD laut Umfragen eine Mehrheit erreichen und danach die Landesregierung stellen könnte.
Im Fall eines Wahlsiegs will die Partei die öffentlichen Zuwendungen an Kirchen neu verteilen und den großen Kirchen Mittel entziehen. Wer dann Fördergelder erhalten wolle, schreibt Keul in einem Beitrag für das Internetportal »Feinschwarz«, müsse sich der politischen Agenda der AfD unterordnen. Projekte, die den Klimawandel, Geschlechtergerechtigkeit oder Migration behandelten, wären gefährdet. »Was würde man tun, wenn man ein großartiges Projekt nur finanzieren könnte, wenn man bestimmte Themen auslässt, Formulierungen einhegt, faule Kompromisse eingeht? Bildungsinstitutionen, Gemeinden, Caritas und Diakonie müssten sich selbst entkernen, um Fördergelder zu erhalten«, so die Würzburger Theologin.
Keul analysiert auch einen Flyer, den die AfD im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt verwendet. Darin würden die Kirchen dämonisiert, während sich die AfD selbst als Verteidigerin des Christentums darstelle. Der Flyer belege, dass die AfD darauf ziele, einen Rechtsruck christlicher Kirchen, Institutionen und Bewegungen zu erzwingen. Er sei nach dem Muster »Unheilsdrohung per Dämonisierung gegenüber Heilsversprechen per Glorifizierung« gestrickt. »Er wettert gegen ‚illegale Masseneinwanderung‘, gegen die ‚Regenbogenpolitik‘ und den ‚Klimairrsinn‘. Woher die Rettung einzig und allein kommen kann, ist ebenfalls klar.« Dem bestehenden politischen System werde eine charismatisch-autoritäre Herrschaft gegenübergestellt, die bewusst Regeln und Gesetze breche. »Die angebliche Not, die angeblich beseitigt werden soll, heiligt die Anwendung von Gewalt und die Verletzung der Menschenrechte.« Keul sieht hier klare Parallelen zur Propaganda des NS-Regimes und warnt vor einer Gewaltspirale mit dramatischen Folgen für Kirchen und Gesellschaft.

Personen und Konflikte