Hilarion Alfejew
Hilarion Alfejew, Erzbischof der Russisch-Orthodoxen Kirche und bis 2022 deren »Außenminister«, ist nach einigen anderen ungeklärten Wendungen seiner Biographie wieder einmal in eine dubiose Affäre geraten. Bei der Kontrolle seines Autos in Tschechien »aufgrund eines anonymen Hinweises«, so die Polizei, fanden sich mehrere Beutel mit einem weißen Pulver. Der Geistliche wurde für zwei Tage festgenommen. Anschließend teilte Hilarions eigener Telegram-Kanal mit, es habe es sich tatsächlich um einen »verbotenen Stoff« gehandelt; wie dieser ins Fahrzeug geraten sei, diese Frage sei damit aber nicht beantwortet. Hilarion selbst bestritt jeglichen Besitz oder Transport illegaler Ware.
Hilarion, ausgebildeter Musiker und Komponist, studierter und habilitierter Theologe, gilt als einer der profiliertesten Intellektuellen der Russischen Orthodoxie. Zum Bischof geweiht 2002, vertrat er als vielsprachiger Diplomat die Moskauer Kirche bei den europäischen Institutionen in Brüssel, wurde Bischof von Österreich und übernahm 2009 das Außenamt des Moskauer Patriarchats. Von dort aus pflegte er rege politische Kontakte, auch bis in den Vatikan – und polemisierte gerne gegen einen »moralisch dekadenten« Westen.
Anders als Patriarch Kyrill in diesem Falle stellte sich Hilarion nie öffentlich hinter Wladimir Putins Überfall auf die Ukraine – protestierte aber auch nie dagegen. Warum er in jener Zeit das kirchliche »Außenministerium« urplötzlich entzogen bekam und warum man ihn von Moskau nach Budapest versetzte, ist offen. War es eine Degradierung? Oder wollten das kirchliche und das politische Moskau bei Putin-Freund Orbàn einen starken kirchlichen Brückenkopf behalten?
Jedenfalls verlieh ihm Ungarns damaliger Regierungschef auffallend schnell die Staatsbürgerschaft – und Hilarion fiel mit luxuriösem Lebensstil auf. Auch wirft man ihm einen Sexskandal vor. Er streitet ab.
Das Moskauer Patriarchat allerdings suspendierte Hilarion »wegen ungebührlichen Verhaltens« Ende 2024 von allen kirchlichen Ämtern und schickte ihn ins tschechische Karlsbad in den Ruhestand mit nicht einmal 60 Jahren.
Und jetzt die Sache mit dem »weißen Pulver«: War’s eine Intrige? Aber von wem? Wie auch immer. Für Hilarion scheint sich etwas getan zu haben. Am 1. Juni war er zurück in Moskau: Am orthodoxen Fest des Heiligen Geistes zelebrierte er den Festgottesdienst in der Dreifaltigkeitskathedrale – gemeinsam mit Patriarch Kyrill.

Personen und Konflikte