Donal McKeown
Donal McKeown, Bischof von Derry in Nordirland, sieht eine Verbindung zwischen den rassistischen Ausschreitungen der vergangenen Tage und den historischen religiösen Konflikten im Land. Die einst überlegenen, nach Großbritannien orientierten protestantischen Milieus hätten inzwischen an Stärke eingebüßt, die Katholiken dagegen an Selbstvertrauen gewonnen. »Auf der protestantischen Seite gibt es seitdem ein Identitätsproblem. Die protestantische Arbeiterschicht verarmt zunehmend, ihre Möglichkeiten für Arbeit und Bildung sind stark eingeschränkt«, sagte McKeown der Katholischen Nachrichtenagentur.
Der Bischof sieht darin einen Nährboden für Gewalt. Es gebe in Nordirland einen neuen Nationalismus, der die Probleme der Gesellschaft auf einfache Formeln herunterbreche. »Den Menschen, besonders in den ärmeren protestantischen Vierteln in Belfast, wird gesagt, ohne die Migration ginge es ihnen besser«, so McKeown. Diese Unzufriedenheit nutzten politische Akteure aus, etwa der Unternehmer Elon Musk, der auf seiner Plattform X zum »Kampf« gegen Migration aufgerufen hatte.
Im nordirischen Belfast gibt es seit Tagen Ausschreitungen. Randalierende Mobs zünden unter anderem Häuser und Autos an und rufen fremdenfeindliche Parolen. Auslöser war ein Messerangriff Anfang Juni, bei dem ein 30 Jahre alter Sudanese einen Mann schwer verletzte.
Die Bilder von den Straßen Belfasts erinnern an die Zeit der Troubles, als sich Katholiken und Protestanten feindlich gegenüberstanden. Nun trifft die Gewalt vor allem nicht-weiße Nordiren, die sich von den Randalierern bedroht fühlen.

Personen und Konflikte