Christina Brüning
Christina Brüning, Professorin für Geschichtsdidaktik, hat sich erstmals öffentlich zu Morddrohungen an der Universität Marburg geäußert. Schon im Dezember letzten Jahres tauchten Schmierereien mit Mordaufrufen gegen sie auf, erzählte Brüning im Hessischen Rundfunk. An der Wand einer Herrentoilette der Universitätsbibliothek wurde gefordert, die Professorin »vom Dach der PhilFak zu werfen«. Kurz darauf folgte eine zweite Drohung: Freiwillige würden gesucht für die »Jagd« auf Brüning, um sie »auszuweiden«. So stand es an eine Wand geschmiert.
Täter und Hintergründe sind bisher unbekannt. Christina Brüning und die Universität erstatteten Anzeige. Der für politisch motivierte Straftaten zuständige Staatsschutz schaltete sich ein.
Christina Brüning sagt, schon seit Jahren habe sie das Gefühl, dass der Druck auf sie und ihre Arbeit zunähmen. Die Professorin für Geschichtsdidaktik berichtet von abwertenden Zwischenrufen, diskriminierenden Aussagen und demonstrativem Aufstöhnen, etwa wenn Brüning sprachlich gendere. Die 45-jährige behandelt in ihren Lehrveranstaltungen politisch aufgeladene Themen wie Kolonialgeschichte, Feminismus oder Holocaust. Arbeitsaufträge, »zum Beispiel, wenn es um Rassismuskritik gehen sollte«, seien immer wieder verweigert worden, so Brüning.
Am Fachbereich Geschichte seien derartige Vorfälle schon länger ein Thema, sagt Dekan Eckart Conze. Doch die Drohungen hätte die Lage deutlich verschärft: »Ein klarer Schuss vor den Bug.« Universitäten seien kein abgeschlossener Raum und blieben nicht unberührt von politischen Verschiebungen, sagt Conze. Es gebe »derzeit diese Gefahr von rechts«. Das spüre man auch an der Universität.
Die Marburger Universitätsleitung verurteilt die Drohungen als Angriff auf Wissenschaftsfreiheit und Hochschulgemeinschaft. Eine konkrete physische Gefährdung der Professorin jedoch sei nach Einschätzung der Universität nicht festgestellt worden. »Wir haben die Situation aber als sehr ernst bewertet«, sagt Universitätspräsident Thomas Nauss.
Christina Brüning hingegen betont, sie habe sich lange mit ihren Sorgen nicht ausreichend ernstgenommen und geschützt gefühlt. Die nun deutlich formulierten Reaktionen der Universität kämen für sie um Jahre zu spät. »Marburg ist für mich mittlerweile ein Angstort geworden«. Zeitweise habe sie sogar über eine Frühpensionierung aufgrund der psychischen Belastung nachgedacht. Inzwischen suche sie nach Stellen an anderen Hochschulen.

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