100 Jahre Marilyn Monroe
Marilyn Monroes Spiel mit dem eigenen Bild

Bildband. Einen Marilyn-Monroe-Bildband betrachtet man mit gemischten Gefühlen. Zu ihrem 100. Geburtstag am 1. Juni wird sie erneut kommerziell verwertet. Die junge Frau mit dem Taufnamen Norma Jeane ließ sich fotografieren, weil sie Geld brauchte. Sie kam aus prekären Verhältnissen und hatte in zig Pflegefamilien gelebt, wo sie körperliche und sexuelle Gewalt erfahren hatte. Sie lernte, dass ihr Aussehen mehr Wert hatte als ihre Talente. Als Schauspielerin konnte sie den misogynen Machtstrukturen der Filmindustrie wenig entgegensetzen, verlieh aber selbst ihren sexistisch angelegten Rollen eine unerwartete Tiefe. Sie sehnte sich nach Anerkennung als Künstlerin und Mensch und litt unter dem Rummel um ihre Person. Ihr Tod 1962 wurde als Suizid eingestuft.
Mit 250 Abbildungen lässt der Band nichts aus: Kinderbilder, frühe Probeaufnahmen, inszenierte Publicityfotos, Pressebilder von Dreharbeiten. Man liest sie unweigerlich auch als Dokumente der Frauenbilder der 1950er-Jahre. Wer Monroe fotografierte, projizierte auch das eigene Bild von ihr in sie hinein: sexy, klug, verletzlich.
»Den Zierrat sollte man nicht mit dem verwechseln, was darunter ist.« Dieses Monroe-Zitat ist dem Bildband vorangestellt. Es gab viele Versuche, herauszufinden, wer Marilyn Monroe wirklich war. Eine sensible Frau, zart und trotzig, die Dostojewski las, sich perfekt vorbereitete, die mehr vom Leben wollte. Der Bildband zollt Monroe Respekt, indem er sie vor allem als Profi zeichnet, die auf einzigartige Weise ihre Bilder kontrollierte. Der Fotografin Eve Arnold, mit der sie jahrelang zusammenarbeitete, sagte sie vor einer Aufnahme: »Lass uns eine Marilyn machen.« Mit dem Pseudonym Marilyn Monroe hatte sie eine Kunstfigur erschaffen, »wie ein Schleier, den ich über Norma Jeane trage.« Ihre Bilder sind auch als Akt der Selbstermächtigung zu würdigen.
Rachel Syme, David Wills, Louie Conway: Marilyn Monroe 100. Prestel. 348 Seiten. 79 €




