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Sei du selbst
Und lebe. Jetzt!

Die Weisheit der Seele weiß, dass der Tod nicht Ende, sondern Vollendung ist. Aber auch wenn wir an das ewige Leben glauben, steckt in uns doch immer die Angst vor dem Tod. Und es ist gut, diese Angst genauer anzuschauen und ihr zu antworten.
von Anselm Grün vom 20.08.2026
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(Foto: pa/Daniel Karmann)
(Foto: pa/Daniel Karmann)

Bei den frühen Mönchen war es üblich, sich täglich mit dem Tod vertraut zu machen. Der Gedanke an den Tod hat die Mönche nicht erschreckt, sondern sie eingeladen, jetzt im Augenblick zu leben. Ein alter Mönch wurde einmal gefragt, warum er nie Angst habe. Da antwortete er: »Weil ich täglich an meinen Tod denke.« Der Gedanke an den Tod nahm ihm die Angst vor den täglichen Herausforderungen, vor Versagen und vor dem Abgelehntwerden durch andere Menschen. Wenn ich mir den Tod vor Augen halte, ist es mir nicht mehr so wichtig, was die anderen von mir denken. Da hängt mein Glück nicht mehr davon ab, ob ich Erfolg habe oder nicht. Der Gedanke an den Tod rückt die Maßstäbe zurecht. Er zeigt uns, worum es im Leben eigentlich geht. Und er lädt uns ein, jetzt bewusst im Augenblick zu leben. Es könnte ja die letzte Begegnung mit diesem Menschen sein. Also versuche ich, im Gespräch mich ganz auf ihn einzulassen, präsent zu sein. Der Gedanke an den Tod verstärkt mein Leben. Ich lebe bewusster. Wenn mir bewusst ist, dass mein Leben endlich ist, dann bekommt der Augenblick einen höheren Wert. Ich kreise dann nicht darum, wie alt ich werde. Es kommt vielmehr darauf an, dass ich eine gute Lebensspur in diese Welt eingrabe. Weil mein Leben endlich ist, warte ich nicht mit dem Leben auf einen späteren Zeitpunkt. Ich lebe jetzt. Und ich versuche, jeden Tag die Lebensspur einzugraben, die meinem Selbstbild entspricht. Jeden Morgen beginne ich mit einer Segensgebärde und stelle mir vor, wie Gottes Segen durch meine Hände zu den Menschen strömt, denen ich heute begegnen werde. Dieses Ritual ist für mich eine Einladung, heute eine Spur des Segens in diese Welt einzugraben, für die Menschen ein Segen zu sein, wenn ich ihnen begegne. Es geht nicht darum, etwas zu leisten, sondern darum, ihnen achtsam zu begegnen. Segen heißt: gute Worte zu sprechen. Und Segen heißt, eine positive Energie auszustrahlen, eine Energie der Liebe und des Wohlwollens, der Hoffnung und der Zuversicht.

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Schlagwörter: Angst Hoffnung Leben Tod
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