Buchtipp: »Der Sohn des Oligarchen«
Die dunkle Welt der Superreichen
Recherche-Thriller. Der Tod des eigenen Kindes ist der Albtraum aller Eltern: Mit gerade einmal 19 Jahren stirbt Zac Brettler einen gewaltsamen Tod. Er stürzt aus dem fünften Stock eines ultramodernen Londoner Wohnturmes in die Themse und ertrinkt. Sprang er aus eigenem Antrieb oder wurde er dazu gezwungen? Darüber rätseln seine Eltern Rachelle und Matthew Brettler bis heute. Und erst langsam lernten sie, dass sie ihren Sohn offenbar gar nicht kannten. Dass er zwar in derselben Stadt, aber in einer ganz anderen Welt lebte.
Die Brettlers führten eine typische Existenz der Londoner gehobenen Mittelklasse, komfortabel mit sicheren Jobs, schönem Haus, Privatschule und Dinner-Partys. Ihrem Sohn Zac aber war das offensichtlich nicht genug. Schon als Kind fragte er seine Eltern, warum sie nicht ein teureres Auto fahren könnten. Was sie nicht wussten: In der Schule und in seinem kurzen Erwachsenenleben gab er sich als russischer Milliardärserbe aus und geriet immer tiefer in ein anderes London: eine Stadt mit lauter teuren Immobilien im Besitz unauffindbarer Konzerne, ein Tummelplatz für Diebe, Betrüger, Drogenbosse und Mörder.
Autor Patrick Redden Keefe ist ein Star-Journalist des Magazins »The New Yorker«, seine Sachbücher »Das Imperium der Schmerzen« über die Opioid-Krise oder »Sage nichts« über den Nordirland-Konflikt haben Furore gemacht. Auch in »Der Sohn des Oligarchen« zeigt sich seine größte Stärke: die nüchterne, lückenlose Recherche. Keefe folgt jeder Spur dieser wahren Geschichte, wertet unzählige Dokumente aus und spricht mit Dutzenden Beteiligten, vor allem mit Rachelle und Matthew Brettler. So entsteht nicht nur das Porträt eines jungen Mannes und seiner Sehnsucht nach Status und Zugehörigkeit, sondern zugleich das Sittenbild einer Stadt. Eine Stadt, die sich nach außen edel und glamourös gibt, die aber tatsächlich zu einem großen Teil auf Betrug und Blut aufgebaut ist.

