Roman: Das Blaue vom Himmel
Die leise Hoffnung der Erschöpften
Roman. Was wäre, wenn der Himmel nie wieder blau würde? In naher Zukunft soll eine globale Geo-Engineering-Maßnahme in Kraft treten, um die Erde vor den dramatischen Folgen des Klimawandels zu bewahren. Die Idee: Schwefelpartikel werden in die Luft geschossen und sollen so die Erde abkühlen. Doch durch den Partikelfilm wird sich das Licht anders brechen als bisher und nicht nur der Himmel wird sein Blau verlieren. Protagonistin Hannah arbeitet an einer Ausstellung mit, in der die blaue Farbe bewahrt werden soll. Ausgestattet mit einem Mikrofon sammelt sie Erinnerungen. Sie trifft einen Botaniker, eine Filmemacherin, eine erblindende Frau. In den mal alltäglichen, mal melancholischen Erinnerungen verdichten sich ihre Lebensgeschichten.
In der Erzählung rund um die Rettung des Planeten auf Kosten der Farbe des Himmels entfaltet sich eine weitere Geschichte: die zweier Schwestern und eines alleinerziehenden Vaters, der für Hannah immer unverständlich, unerreichbar blieb. Während Hannah die Erinnerungen anderer archiviert, erkennt sie, dass sie auch ihrer eigenen Geschichte auf der Spur ist.
In detailreichen Bildern erzählt Magdalena Schrefel von einer Welt, in der die Menschen mal mit Trauer, mal mit Gleichmut oder Skepsis auf einen Verlust reagieren. In ihrer ruhigen Sprache liegt eine Nostalgie, als sei das Blau bereits vergangen, als seien die Erinnerungen schon gesammelt und archiviert, als habe der Himmel bereits seine Farbe verloren. Geschickt verknüpft sie Klimafiktion und Familiengeschichte. Das macht den Roman zu einer eindringlichen Reflexion über Verlust, Erinnerungen und das Unausgesprochene in den Beziehungen.

