Worum es bei der Weihe wirklich geht
Ordinationen sind heiß umkämpft. Das hat sich in jüngerer Vergangenheit mehrfach gezeigt. Als Sarah Mullally zur ersten Erzbischöfin von Canterbury ernannt wurde, führte das zu einem Streit um Deutungshoheit und Repräsentation innerhalb der anglikanischen Kirche. Sarah Mullallys Geschlecht war dabei ebenso Anlass zur Entrüstung wie ihre Positionierung zu LGBTQIA*-Themen. In den 1990er-Jahren, als die Church of England die Frauenordination zuließ, war die katholische Kirche Nutznießerin der Debatte: Empörte anglikanische Gläubige konnten sich getrost der katholischen Kirche zuwenden, da Johannes Paul II. es nicht verabsäumt hatte, sich in »Ordinatio sacerdotalis« ein für alle Mal gegen das Frauenpriestertum auszusprechen. Natürlich verstummte die Frage nach den Frauen auch in der katholischen Kirche nicht. Beim Synodalen Weg und auf der Weltsynode ist sie wieder aufgetaucht. Einmal mehr erwiesen sich kirchliche Strukturen allerdings als beharrlich. Die Forderung nach der Zulassung von Frauen zum Priestertum wurde erneut ausgeklammert. Dabei wurde die Weltkirche als Argument bemüht: An der kirchlichen Lehre zu Fragen der Ordination – wie auch zu LGBTQIA*-Themen – werde sich nichts ändern, um die Einheit der Kirche nicht zu gefährden.
Sie haben bereits ein
-Abo? Hier anmelden
Sigrid Rettenbacher forscht und lehrt an der Privaten Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz sowie an der University of Portland. Sie ist Vorsitzende der österreichischen Sektion der European Society of Women in Theological Research (ESWTR).

