Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,

als Katholikin hat man es nicht immer leicht. Da will ich den Papst für seine entschiedene Haltung gegen Donald Trump loben, da verlautbart er auf seinem Rückflug von der Afrikareise, dass homosexuelle Paare nicht gesegnet werden dürfen, und wendet sich damit gegen entsprechende Vorstöße aus Deutschland. Wer da vom Papst Aufbrüche, gar Revolutionäres erhofft hat, wird enttäuscht.
Und doch lohnt sich der Blick auf den Konflikt mit Trump. Ganz nach dem Lobgesang Mariens im Lukasevangelium – »er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen« – bot er dem mächtigsten Mann der Welt die Stirn.
In der Titelgeschichte fragt mein Kollege Michael Schrom, was Papst Leo XIV. Trump entgegensetzen kann: Hier steht Moral gegen Macht. Der US-Präsident arbeitet mit religiöser Überhöhung und einer Sprache der Eskalation bis hin zur Drohung, Iran zu vernichten. Wo sich Politik sakral auflädt, wird Widerspruch zur Pflicht. Ebenso wie die Lektüre dieses erhellenden Artikels.
Um Menschen, die kaum gesehen werden, geht es in unserem Hauptkommentar zum Internationalen ME/CFS-Tag am 12. Mai. Viele chronisch erschöpfte Menschen verschwinden aus dem öffentlichen Leben: aus Schulen, Büros, Freundeskreisen. Und damit oft auch aus dem politischen Blick. Gerade deshalb müssen sie sichtbar bleiben, schreibt Barbara Tambour.
Neu als Kolumnistin bei Publik-Forum ist Nora Gomringer, die Lyrikerin und Direktorin der Villa Concordia in Bamberg. In ihrer ersten Geschichte erzählt sie von einem ungewöhnlichen Alltag zwischen Flaggenordnung und einem Biber, der regelmäßig ihren Garten kreuzt.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre
Daniela Ordowski ist Volontärin bei Publik-Forum.
Foto: privat




