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Glaube und Sex
Gottes gefährliches Geschenk

Über kein anderes Thema wird auch unter Christen so erbittert gestritten wie über Sexualität und Sexualmoral. Warum eigentlich?
von Michael Schrom vom 28.02.2026
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Ende der Unschuld: Ausschnitt aus dem Gemälde von Johann Heinrich Füssli, »Adam und Eva, zum ersten Mal von Satan beobachtet« (1796) (Foto: Publik-Forum unter Verwendung eines Motivs aus Hieronymus Boschs Gemälde »Garten der Lüste«)
Ende der Unschuld: Ausschnitt aus dem Gemälde von Johann Heinrich Füssli, »Adam und Eva, zum ersten Mal von Satan beobachtet« (1796) (Foto: Publik-Forum unter Verwendung eines Motivs aus Hieronymus Boschs Gemälde »Garten der Lüste«)

Zu den erstaunlichsten Rätseln des Christentums gehört die Frage, wie es passieren konnte, dass der jüdische Wanderprediger Jesus von Nazaret zum Dreh- und Angelpunkt einer ausgefeilten, überwiegend repressiven Sexualmoral wurde, obwohl er sich für diese Fragen nicht sonderlich interessierte und sie in seiner Lehre allenfalls am Rande vorkommen. Es gibt ein scharfes Jesuswort zum Verbot von Scheidung und Wiederheirat, etliche relativierende Bemerkungen zu Familie und Sippe, für die damalige Zeit erstaunlich viele wertschätzende Begegnungen mit Frauen und eine gewisse Präferenz für einen zölibatären Lebensstil. Jesus war alles, bloß kein Familienmensch. Und dann gibt es noch seine rätselhafte Aussage von den Eunuchen für das Himmelreich (Matthäusevangelium 19,12). Dieses Wort lässt sich auch so deuten, dass es im Himmelreich Platz für Menschen gibt, die nicht den sexuellen Normen und Erwartungen der Zeit entsprechen oder sich nicht in eine geschlechtliche Kategorie einordnen lassen. »Wer es fassen kann, der fasse es.« Das war’s. Kein Wort über Homosexualität, kein Wort über kultische Reinheit oder Fruchtbarkeit, nichts über Geschlechter und ihre gottgewollte Funktion.

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