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Sehnsucht nach Klarheit

Die Erwartungen an den neuen EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm sind groß. Nicht nur die Kirche befindet sich in einer Krise. Auch gesellschaftlich sind viele Fragen ungelöst: Klimawandel, das geplante Freihandelsabkommen TTIP, Rüstungsexport, das sind Themen, bei denen die EKD mitreden sollte. Es kommt einiges auf den bayerischen Landesbischof zu
von Bettina Röder vom 18.11.2014
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Der neue EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm: Er gilt als vorsichtig, scheut aber auch klare Worte nicht (Foto: pa/Burgi)
Der neue EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm: Er gilt als vorsichtig, scheut aber auch klare Worte nicht (Foto: pa/Burgi)

Wirklich gestritten wird in Deutschland um fast nichts mehr. Weder die großen sozialen Konflikte im Land noch die immer wichtiger werdenden Flüchtlingsprobleme stehen wirklich zur Debatte. Stattdessen bietet Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wohlfeil das Freihandelsabkommen als großen Fortschritt und Chance auch für unseren Wohlstand an. Die Energiewende rückwärts mit der Braunkohle auf Kosten der Zukunft kommender Generationen verkündet ihr Stellvertreter Sigmar Gabriel. Eine wirkliche politische Opposition ist kaum vernehmbar, Mehltau liegt auf dem Land.

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Was also wäre dringlicher als eine Kirche, die hörbar ihre Stimme erhebt. Als Anwältin der Menschen, damit sie wahrgenommen werden und nicht als störende Flüchtlingsmasse oder anonyme Nummer in der Handelsbilanz verschwinden? Mit der Wahl des bayerischen Landesbischofs Heinrich Bedford-Strohm verbindet sich die Hoffnung, dass diese Stimme deutlicher als bisher hörbar wird. So sagt es die mitteldeutsche evangelische Bischöfin Ilse Junkermann gegenüber Publik-Forum, so hoffen auch andere. Der 54-jährige neue Ratsvorsitzende gilt als sozial engagiert, er ist zwar vorsichtig, scheut aber auch klare Worte nicht.

Im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wird darüber hinaus von ihm erwartet, dass er mehr noch als seine Vorgänger »den Laden zusammenhält«, wie es ein langjähriges Ratsmitglied ausdrückt. 18 von der EKD-Synode gewählte Vertreterinnen und Vertreter bilden den Rat, von der Erzieherin über den Architekten und Kirchenpräsidenten bis zum Theologieprofessor oder Journalisten. Sie vertreten die lutherische Kirche, die reformierte und die kleineren Freikirchen.

Doch eine klare Linie fehlt so manchem in diesem Gremium, vermisst wird theologische Kompetenz. Der Katholik und SPD-Politiker Wolfgang Thierse hat das im Blick auf den EKD-Rat einmal mit der Feststellung bedacht: »Ich möchte ja gerne auf die Evangelischen hören, wenn ich nur wüsste, was evangelisch ist.« Vieles ist strittig. In der Friedensfrage ist das deutlich geworden und beim Thema »Zukunft der Familie«. Zwar sind die Protestanten stolz auf ihre Vielstimmigkeit und ihren Individualismus, aber nicht wenige erwarten doch in Grundfragen klarere Positionen.

Er soll führen, aber auch die Herzen der Menschen erreichen

Aber reicht das schon für die Erneuerung der evangelischen Kirche? Und sind nicht die Erwartungen an den Schüler Wolfgang Hubers überzogen? Das sind sie hier und da sicherlich. Denn gerade die protestantische Kirche lebt von unten, vom Pluralismus. Das ist gerade in diesen Tagen des Gedenkens an die Friedliche Revolution und den Mauerfall erneut deutlich geworden. Glaube kann Berge versetzen. Doch wenn sich nur die Leitungsfiguren daran versuchen, überheben sie sich. Es geht nur gemeinsam. Darum wird es bei dem neuen EKD-Ratsvorsitzenden darauf ankommen, dass er die Herzen und Köpfe der Menschen erreicht. Sowohl derer, die sich in ihrer Kirche engagieren und sie schätzen, als auch derer, die längst nicht mehr wissen, wofür die Kirche steht. Mit Erklärungen und immer wieder neuen Papieren ist das nicht getan. War es nicht – neben einer umsichtigen Amtsführung – eben auch der glaubwürdige Abgang von Nikolaus Schneider, der ihn so groß machte? Er hat sein Amt vorzeitig aufgegeben, um seiner kranken Frau nahe zu sein.

Heinrich Bedford-Strohm war wie sein Vorgänger zunächst Gemeindepfarrer und später in der Diakonie tätig, bevor er Professor für Systematische Theologie und theologische Gegenwartsfragen an der Universität Bamberg wurde. Das jüngste Sozialpapier der Kirchen hat er maßgeblich mitverfasst. Dabei musste er Kritik einstecken, weil der Text kein klares inhaltliches Profil aufweist.

Der 54-Jährige sei ein fröhlicher Christenmensch, sagt der Wittenberger Theologe Friedrich Schorlemmer über ihn. Zweitens wisse Bedford-Strohm grundlegende ethische Fragen so zu behandeln, dass sie nicht moralingetränkt daherkommen. Und drittens sei er ein tief im Glauben verwurzelter Mensch, einer, der Zuversicht ausstrahlt, auch wenn er schwierige Themen benenne. Und Schorlemmer fügt hinzu: »Ich finde, dass die Synode das Beste, was sie hätte tun können, getan hat.«

Bettina Röder ist Redakteurin im Berliner Büro von Publik-Forum

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