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Kirchens doppelte Haushaltsführung

Das Erzbistum Köln hat seine Vermögensbilanz veröffentlicht. Aber was sagen die Zahlen aus?
von Christoph Fleischmann vom 18.02.2015
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Goldenes Köln: Die katholische Kirche ist wohl eine der reichsten Institutionen in der ganzen Stadt. Das Erzbistum ist aber auch im deutschen Bistumsvergleich »on top«. (Foto: pa/Chromorange/Walter G. Allgöwer)
Goldenes Köln: Die katholische Kirche ist wohl eine der reichsten Institutionen in der ganzen Stadt. Das Erzbistum ist aber auch im deutschen Bistumsvergleich »on top«. (Foto: pa/Chromorange/Walter G. Allgöwer)

Die Frage, wie hoch denn nun die Kriegskasse für besondere Anliegen sei, wollte der Generalvikar des Erzbistums Köln, Stefan Heße, nicht beantworten: Es gebe kein Säckel, aus dem man noch mal was extra nehmen könne, keinen Schattenhauhalt. Das zu zeigen sei ja schließlich der Sinn der Bilanzveröffentlichung.

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In der Tat hat das Erzbistum Köln nun einen Finanzbericht veröffentlicht mit einer Vermögensbilanz; jedenfalls für die Bistumsebene. Das heißt, das Vermögen der Pfarreien und sonstigen Körperschaften innerhalb der Kirche ist damit noch nicht erfasst. Trotzdem kommt das Erzbistum für das Jahr 2013 auf ein Bilanzvolumen von stolzen 3,35 Milliarden Euro.

Das Ganze wird nach den Regeln der doppelten Haushaltsführung erhoben, also aufgeteilt in Aktiva und Passiva. Links stehen die Vermögenswerte – seien es Immobilien, Beteiligungen oder Wertpapiere. Und rechts steht, wofür man das ganze Geld braucht: Verbindlichkeiten gegenüber Gemeinden, Rückstellungen und Rücklagen für Pensionen, Bau-Erhaltung und Einnahmeschwankungen.

Dabei bleibt aber als großer Rest von 823 Millionen das Bistumskapital übrig; also Kapital, das nicht mit Zweckbindungen unterlegt ist. Das entspreche ja in etwa dem Sachkapital auf der linken Seite der Bilanz, also den Häusern und Grundstücken im Wert von 646 Millionen Euro, erklärt der Finanzdirektor des Erzbistums, Hermann Schon. Genaugenommen bleibt da schon noch eine Differenz von 177 Millionen Euro. Das wäre eine stolze Kriegskasse.

Die Intention der Verantwortlichen bei der Offenlegung der Bilanz war klar: Allem Vermögen entspricht eine Bindung. »Wir benötigen das Kapital für die Erfüllung unserer Aufgaben«, so Schon. Dabei lässt die Bilanzierung nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) freilich viel Bewertungsspielraum offen: Das Vermögen auf der einen Seite wurde von den Kölnern sehr niedrig bewertet, nach dem sogenannten Buchwert: bei einer Firmenbeteiligung ist das der Anteil am Stammkapital, bei einem Wertpapier die Anschaffungskosten. Der aktuelle Marktwert von Beteiligungen oder Papieren liegt aber in der Regel längst weit darüber, das faktische Vermögen ist also größer als es die Bilanz ausweist.

Ein Beispiel: Das Erzbistum ist mit 41 Prozent an der Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft beteiligt und gibt den Wert der Beteiligung mit 15 Millionen Euro an. Die Wohnungsgesellschaft bewirtschaftet 24.300 Wohnungen. Wenn man nun die 15 Millionen auf 41 Prozent dieser Wohnungen verteilt, käme man auf einen durchschnittlichen Wohnungswert von ca. 1500 Euro. Nicht mal Sozialwohnungen sind so günstig, dass man sie mit drei bis fünf Monatsmieten kaufen könnte.

Während das Vermögen also klein gerechnet wird, werden die Verpflichtungen groß gerechnet: Zur vom HGB vorgeschriebenen Pensionsrückstellung kommt eine Pensionsrücklage dazu, die mit einem niedrigen Ertragszins von 2,6 Prozent rechnet – deutlich unter dem, was das Bistum faktisch an Rendite erzielt. Außerdem fordert die Bilanzierung nach der doppelten Buchführung, alle Pensionsansprüche als Verbindlichkeiten zu erfassen. Was kein Bundesland schafft, ist kein Problem für die Kölner: Die Pensionsansprüche aller Priester, Lehrer und Kirchenbeamten sind zu 100 Prozent mit Kapital abgedeckt. Heißt: Bekäme das Bistum ab morgen keinen Cent mehr, könnte es noch alle Pensionsansprüche auszahlen, die bis jetzt erworben wurden. Dass das Geld aber morgen versiegt, ist, höflich gesagt, nicht sehr wahrscheinlich.

Die Bilanzierung nach dem HGB forciert eine starke Rücklagen-Orientierung. Ist das sinnvoll für eine Kirche, sich so über-abzusichern? Zumal die Kirchensteuer sprudelt: Für 2013 vermeldet das Erzbistum einen Einnahmeüberschuss von 59 Millionen. Das kam alles in die Rücklagen; Rücklagen kann man, wie es scheint, immer auffüllen. Man muss das Vermögen dann nur klein rechnen und die Verpflichtungen hoch, damit es nicht nach »reicher Kirche« aussieht.

Aus den Überschüssen würden aber über die Jahre auch Neubauten von Schulen oder Tagungshäuser finanziert, hält Finanzdirektor Schon dagegen. Allerdings wurden in den letzten Jahren auch Einrichtungen geschlossen; zum Beispiel Kindergärten.

Vielleicht hat die Veröffentlichung der Vermögensbilanz – wie unbefriedigend sie auch ist – doch etwas Gutes. Wenn das Erzbistum das nächste Mal mit einer Kommune verhandelt, sie möge die Kirche beim Trägeranteil einer KiTa entlasten und mit Schließung der KiTa droht, vielleicht hat das Erzbistum dann etwas schlechtere Karten in den Verhandlungen. Wenn nämlich klar ist, dass das Bistum im Vergleich mit den klammen Kommunen Nordrhein-Westfalens ober-solide aufgestellt ist.

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Personalaudioinformationstext:   Christoph Fleischmann ist Diplom-Theologe und Journalist.
Schlagwörter: Kirche Kirchensteuer
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