Krieg und Frieden
Kirchen wollen kriegstüchtig werden

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Kriegstüchtig sollen Bundeswehr und Gesellschaft nach den Vorstellungen von Verteidigungsminister Boris Pistorius werden. Ein umstrittener Begriff. In der neuen Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wird er dennoch mit viel Verständnis gewürdigt: Es gehe um die Fähigkeit, die eigenen Werte zu verteidigen, darum, »wie Soldatinnen und Soldaten befähigt werden können, eine militärische Auseinandersetzung erfolgreich zu bestehen«. Dazu will auch die EKD ihren Beitrag leisten und lässt seit rund eineinhalb Jahren ein Konzept ausarbeiten, wie sie sich auf einen Krieg vorbereiten kann. Die katholische Kirche wurde inzwischen mit einbezogen. Publik-Forum liegt das »Ökumenische Rahmenkonzept Seelsorge und Akutintervention im Spannungs-, Bündnis- und Verteidigungsfall« in einer Fassung vom September di




EKD-Synode Streit um Krieg und Frieden
Dirk Harms 16.01.2026:
Erschreckend ist vor allem, mit welcher Naivität die Evangelische Kirche in Deutschland einen Krieg zeichnet. Übersehen wird dabei Folgendes: Wer sich entscheidet, Gewalt anzuwenden, übergibt der Gewalt die Herrschaft. Sie führt das Regiment im Krieg und nutzt dazu alle und alles. Gewalt ist und bleibt die alleinige Siegerin eines Krieges, die Menschen sind nur Material und Opfer der Gewalt. Deshalb kann die einzige mögliche Antwort auf die Frage: »Wie können Soldaten und Soldatinnen befähigt werden, eine militärische Auseinandersetzung erfolgreich zu bestehen?«, nur eindeutig aus der Sicht des Evangeliums gegeben werden: indem sie die Waffen niederlegen und jeden Befehl zum Töten verweigern. Eine Kirche, die anders antwortet, macht sich überflüssig und wird zum Öl im Getriebe der Macht.
Tilmann Wolf 16.01.2026:
Das Wort kriegstüchtig lässt offen, ob es sich um Verteidigung oder eventuell präventiven Angriff handelt. Der Unterschied ist fundamental. Verteidigung hat zum Ziel, größeren Schaden abzuwenden, als der, der durch Nicht-Verteidigung entsteht – insbesondere langfristig. Als ich vor circa 50 Jahren die Entscheidung treffen musste: »Wehrdienst oder Ersatzdienst?«, war es für mich primär, bei einem Angriff auf Deutschland den Schaden im Land zu minimieren – soweit dies mit militärischen Mitteln machbar ist. Will ich einfach wehrlos zuschauen, wenn aggressive Gewalt Leben meiner Mitmenschen beschädigt oder auslöscht? Dass Verteidigung mit Waffen natürlich auch nicht problemlos ist, sondern ebenso unter Umständen Leid und Tod vermehrt, war mir dabei auch klar. Ohne Gegenwehr kann die Gewalt aber auch eskalieren und vor allem als System eine unbegrenzte Fortdauer haben. Unbeschadet kommen wir im Fall eines Angriffs einer benachbarten Nation nicht davon – ohne Gegenwehr oder mit Gegenwehr.
Georg Lechner 09.12.2025, 18:31 Uhr:
Es ist klar, warum es keine offene Diskussion über die "Kriegstüchtigkeit" gibt, denn den "Normalverbraucher*Innen" ist nach den Erfahrungen von 1999 und 2003 bewusst, dass sie auch die Option zu Angriffskriegen einschließt (was man deswegen zu verschleiern trachtet). Es ist in der Bevölkerung nicht vergessen, dass behauptet wurde, die Sicherheit Deutschlands werde auch am Hindukusch verteidigt. Darum hängen wir Österreicher*Innen mehrheitlich so an der Neutralität, weil sie diese Option zumindest massiv erschwert. Für die Verteidigung wäre die aktuelle Hochrüstung nicht oder jedenfalls nicht in dem Ausmaß erforderlich.