Francis and George
Alter spielt keine Rolle, so viel steht fest. Männer sind mit 76 Jahren im Zweifel genauso attraktiv wie mit 0. Papst Franziskus und der kleine englische Prinz George Alexander Louis sind in diesen Tagen unwiderstehlich. Beim Weltjugendtag in Brasilien jubelten die einen dem Älteren der beiden in Massen zu –; auf den britischen Inseln taten andere Massen dasselbe, um den neugeborenen Prinzen zu feiern.
Wahrscheinlich ist das erste Geheimnis der beiden, dass sie, was ihr Alter betrifft, einfach nicht durchschnittlich sind. Ein alter Mann und ein klitzekleiner Junge: Der eine steht am Ende, der andere am Anfang seines Lebens. Da neigen wir zu Ehrfurcht einerseits und zu Beschützerinstinkt andererseits. Der Auftritt beider hat jedenfalls schon deshalb etwas Besonderes.
Das zweite Geheimnis: Francis und George verstehen es, tiefe Tradition mit revolutionärer Moderne zu verbinden. Natürlich tut George das nicht bewusst, aber seine Eltern, Großeltern und Urgroßeltern tun das für ihn. Die Geburt eines Thronfolgers – wie zeigt man sie an? Natürlich mittels eines aus der Zeit gefallenen Rituals: handschriftlich, im Holzrahmen, ausgestellt auf einer Schautafel vor dem Buckingham Palast. Und viele hundert Kameras klicken. Parallel dazu gibt´s die Botschaft auf twitter. Ebenso hält es der Papst: Für den Weltjugendtag wurde unter anderem der Erwerb eines Ablasses angeboten – Reformationsfreunde wird es noch im Nachhinein schaudern. Aber das ist eben special effect der uralten römischen Kirche, die signalisiert: »Komme was wolle in dieser Moderne, bei uns bleibt alles beim alten. Supermodern sind wir natürlich trotzdem: Ablass 2013? Den kann man bei uns auch über twitter erwerben.« – Ich konnte es zunächst gar nicht glauben. Und doch: @pontifex machte es möglich. Was soll man von diesem 76-Jährigen halten?
Das dritte Geheimnis: Zeige Emotionen, und du hast gewonnen! Pope Francis ist ein Meister dieses Faches – und das unterscheidet ihn nicht nur von seinem Vorgänger Benedikt, sondern haut uns rational-verknöcherte Mitteleuropäer schier aus den Schuhen. Ein Papst, der nicht nur Babys küsst, sondern gern auch mal Staatspräsidentinnen und Ministerinnen. Der umarmt, der lacht und weint. Und bei dem es einem fast schon egal wird, wie konservativ er eigentlich theologisch ist, wenn man nur weiter mit so vielen ungehemmten Emotionen überschüttet wird. Dass ein Papst so was kann ... Geblendet wenden wir uns dem anderen Mann des Sommers 2013 zu, dem kleinen George. »It´s a Boy!« war die Nachricht Ende Juli, und jetzt schauen wir täglich online, ob es neue Fotos vom Prinzen gibt. Umarmt hat er noch keinen, dafür sind seine Ärmchen zu winzig und sein Bewusstsein, was diese Geste weltweit auslösen könnte, ist zu wenig ausgebildet. Aber: Er gähnt! Er heult! Er blinzelt selig! Das reicht doch völlig! Für´s erste.
Sein Onkel, Prinz Harry, hat gesagt, er wolle dafür sorgen, dass Georgy-Boy sein Lebtag lang Spaß hat. Er werde ihm beibringen, wie man feiert und überhaupt vorwiegend glücklich ist. Natürlich möchten wir den kleinen Prinzen deshalb jetzt schon mal ernstlich warnen: »Mach nicht alles, was Onkel Harry sagt! Sonst wird aus dir nie ein ordentlicher König. Emotion reicht nicht.« Übrigens sollte das auch mal jemand dem anderen Mann des Sommers, dem verzaubernden Francis, sagen. Aber in diesem heißen Juli wollen wir nicht so streng sein: Bei 34 Grad im Schatten reicht es mir jedenfalls völlig aus, meine beiden gut gelaunten Lieblinge lächeln zu sehen. Ach, küssen dürfen sie mich natürlich auch. Aber so weit wird es vermutlich nie kommen. Zu schade.
