»Eine Atmosphäre lähmender Furcht«
Es rumort erneut in der katholischen Kirche. In der Diözese des konservativen Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst haben 29 Priester, 21 davon im aktiven Dienst, einen Protestbrief geschrieben und kritisiert, dass »eine Atmosphäre lähmender Furcht auf dem Bistum lastet.«
»Intransparente Entscheidungsprozesse«
Im Einzelnen heißt es: »Wir beobachten aktuell mit Sorge, dass Priester, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im pastoralen Dienst und Engagierte in der caritativen Arbeit zunehmend Furcht vor Bischof und Bistumsleitung entwickeln.« Die Unterzeichner haben den Eindruck, »dass die ›Orthodoxie‹ Priorität hat vor dem seelsorglichen Bemühen um moderne Menschen, die in unserer Zeit vielfach der Kirche fremd gegenüber stehen, aber durchaus offen sind für neue Zugänge zum Glauben und zur Liturgie«.
Kritik äußern die Initiatoren an Beschlüssen des Bistums: »Intransparente Entscheidungsprozesse haben bei vielen in der jüngeren Vergangenheit für Unmut gesorgt.« Diese müssten jedoch »offen und nachvollziehbar gestaltet werden«. Umstrukturierungen überforderten zudem viele Beteiligte: »Mit großer Sorge sehen wir wachsende Resignation, Ermüdungserscheinungen, zunehmende Krankheitsfälle sowie Rückzugstendenzen unter Priestern, Diakonen, pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern«, heißt es in dem fünfseitigen Schreiben unter dem Titel »Dialog im Bistum Limburg«.
Sprecherin weist Vorwürfe zurück
Laut evangelischem pressedienst hat die Sprecherin des Bichofs, Eva Demmerle, gesagt, die Vorwürfe seien »an den Haaren herbeigezogen«. Das Papier sei bereits im Priesterrat des Bistums in Anwesenheit des Bischofs diskutiert, die Aussprache »offen und mit Freimut geführt« worden.
Franz-Peter Tebartz-van Elst stand zuletzt in der Kritik wegen des pompösen Neubaus seines Bischofssitzes und wegen eines teuren Flugs zu kirchlichen Sozialprojekten in Indien. Zudem zog er Ärger auf sich, weil er dem Leiter des »Hauses der Begegnung« in Frankfurt, Patrick Dehm, fristlos gekündigt hatte.
Der Brief der Limburger Priester reiht sich ein in eine ganze Reihe von Protestaktionen, mit denen katholische Priester und Diakone derzeit auf sich aufmerksam machen. Im vergangenen Jahr veröffentlichte die österreichische Pfarrerinitiative einen »Aufruf zum Ungehorsam«.
Schweizer Pfarrerinitiative gründet sich
Nun hat sich auch in der Schweiz eine entsprechende Bewegung gegründet. Rund 130 Seelsorgerinnen und Seelsorger haben eine Zehn-Punkte-Erklärung unterschrieben. Darin schreiben sie, dass sie die Kommunion »mit allen Getauften, die sich vom Auferstandenen zum Mahl eingeladen fühlen« teilen wollen, also auch mit Protestanten und wiederverheirateten Geschiedenen, was in der katholischen Kirche eigentlich verboten ist. Sie treten gegen Großpfarreien ein und sind dafür, dass »befähigte Frauen und Männer ohne Rücksicht auf den Lebensstand zu verantwortlichen Diensten in der Kirche geweiht werden«.
Im Sommer dieses Jahres hatten bereits mehr als 170 Freiburger Geistliche erklärt, die Kommunion auch an wiederverheiratete Geschiedene zu verteilen. Auch sie provozierten damit die Kirchenleitung.
Denkschrift: Katholische Liturgie ohne Priester
Derzeit wird unter katholischen Laien zudem ein Papier von Siegfried George aus Wettenberg diskutiert, das den Titel trägt: »Katholische Liturgie ohne Priester«. Der emeritierte Professor und engagierte Laie im Bistum Limburg schreibt darin: »Die Gemeinden sind aufgerufen, sich neu zu organisieren und insbesondere das Recht auf wöchentliche Eucharistiefeier durchzusetzen.« Er hält angesichts des Priestermangels in der katholischen Kirche eine Wiederbelebung der Hauskirchen für notwendig. George betont außerdem das »Recht der christlichen Gemeinden auf einen Vorsteher und die Feier der Eucharistie«. Auch Laien könnten »Vorsteher der Eucharistie« sein, meint er, wenn kein Priester zur Verfügung steht. Zum Herrenmahl seien alle eingeladen. Es sei »Hochmut auf Seiten der Kirchen, wenn sie meinen, sie könnten zulassen und ausschließen«, erklärt George in seiner theologisch fundierten Denkschrift.
