»Der Papst muss liefern!«
»Der Papst muss liefern. Denn die Menschen haben genug von Dialogprozessen, die kein Ende und kein Ergebnis haben.« Diese Einschätzung äußert der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf in dem großen Publik-Forum-Streitgespräch. Anlässlich der soeben begonnen Familiensynode in Rom sagte Wolf: »Der Papst selbst hat die Latte sehr hoch gelegt. Wenn sich jetzt nichts tut, werden die Menschen, die hohe Erwartungen an ihn haben, radikal enttäuscht sein.« Skeptisch äußerte sich der Priester und Bestsellerautor (»Krypta«, »Die Nonnen von Sant Ambrogio«) über die Reformprozesse im Vatikan und den Stil des Papstes im Umgang mit der Kurie: »Wer seine Mitarbeiter öffentlich so vorführt, muss sich fragen lassen, wie er sie für seine Reformprozesse gewinnen will.« Möglicherweise sei dies jedoch ein »Hilfeschrei nach außen, weil der Papst merkt, dass es in der Kurie nicht vorangeht«.
Wolf sieht etliche Möglichkeiten zur Reform, die schon jetzt problemlos umgesetzt werden könnten, wenn der Papst es wollte. Entscheidend für die Zukunft der Kirche sei, ob es gelinge, die Dezentralisierung voranzutreiben. »Wenn nur ein einziges Mal das Subsidiaritätsprinzip angewendet würde- wenn also ein Teil der Weltkirche ihre Belange so regeln könnte, wie sie es braucht, ohne dass man gleich die katholische Einheit in Frage stellt -, wäre ein ganz wichtiges Tor geöffnet.«
»Eine Frauenquote für die Kurie«
Sabine Demel, katholische Kirchenrechtlerin aus Regensburg, kritisiert in dem Gespräch, dass der Papst in der Praxis nach Barmherzigkeit rufe, ohne die Reform des Rechts voranzutreiben: »Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit ist Willkür. Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit ist unmenschlich.« Sie rät Franziskus, »die Spitzenämter der Kurie zur Hälfte mit Frauen zu besetzen. Das bringt der Kirche Kommunikationskompetenz und Teamfähigkeit.«
»Es ist zu spät«
Martha Heizer, Vorsitzende von Wir-sind-Kirche in Österreich und Mitbegründerin des österreichischen Kirchenvolksbegehrens, vermutet, dass die Reformen, wenn sie überhaupt kommen, zu spät erfolgen. Die jahrelange Immunisierung gegen die Reformwünsche der vielen Gläubigen habe bereits Spaltungen produziert, die nicht mehr rückgängig gemacht werden könnten: »Worunter ich wirklich leide, ist, dass so viele Gläubige einfach verschwinden und man sie nicht mehr bewegen kann, sich weiter zu engagieren.« Ihr werde immer klarer, dass man nur in der Kirche bleiben könne, wenn man sie wirklich liebe. Doch diese Liebe werde immer wieder auf eine harte Probe gestellt.
