AfD-Politiker vom Katholikentag ausladen?
Herr Professor Mette, was hat Sie dazu bewogen, den Appell zu unterschreiben?
Norbert Mette: Dass diese Erklärung von sechs jungen Theologinnen und Theologen, die ich zum Teil persönlich kenne, initiiert worden ist, hat mich gefreut. Schon allein das ist für mich ein Grund, ihr Engagement zu unterstützen. Ich habe aber auch bereits vorher versucht, meine Möglichkeiten zu nutzen, um die Einladung an den kirchenpolitischen Sprecher der AfD rückgängig zu machen. Warum die Position der Katholikentagsleitung von 2016 nicht beibehalten worden ist, kann ich nicht nachvollziehen. Bis in die parlamentarischen Sitzungen hinein bestätigt sich, was der kanadische Philosoph Charles Taylor jüngst in einem Interview festgestellt hat, nämlich dass Rechtspopulisten an Debatten gar nicht interessiert seien, »sondern an Kampf und Feindschaft«.
Was befürchten Sie, wenn es zu der geplanten Veranstaltung kommt?
Mette: Dass es nicht zu einer wirklichen Auseinandersetzung kommen wird, sondern dass der Sprecher der AfD das Podium missbrauchen wird, um ein weiteres Mal die Hassparolen seiner die Demokratie unterminierenden Bewegung auszuposaunen. Außerdem wird diese Veranstaltung die Berichterstattung der Medien über den Katholikentag beherrschen, was ich wegen der vielen anderen guten Veranstaltungen sehr bedauere. Und in Münster ist damit zu rechnen, dass es breiten Widerstand gegen diese Veranstaltung geben wird.
Alle Parteien im Bundestag müssen sich inhaltlich mit der AfD als größter Oppositionspartei auseinandersetzen. Sollte es sich der Katholikentag angesichts dieser Situation leisten, sich der Debatte zu verweigern?
Mette: Es macht einen Unterschied, ob die Auseinandersetzung in den Parlamenten erfolgt oder auf einem Katholiken- oder Kirchentag und ähnlichen Veranstaltungen. In den Parlamenten ist sie mittlerweile erfolgt und muss weiter erfolgen. Die Einladung zum Katholikentag jedoch gibt der AfD unweigerlich den Anstrich, »hoffähig« zu sein. Das kann sie mit ihren unseligen politischen Einstellungen für Christen nicht sein. Hier ist eine klare Abgrenzung erforderlich, wie sie einige katholische Verbände bereits vorgenommen haben.
Was sagen Sie zu dem Einwand, eine Ausladung sei feige und unchristlich?
Mette: Dass es zur Demokratie und zum Christsein gehört, einander zuzuhören, wie es der AfD-Vertreter jetzt gefordert hat, ist für mich klar. Darum geht es ja gerade: einander als Diskutierende zu akzeptieren, gegenseitig aufeinander zu hören und möglicherweise im Verlauf der Auseinandersetzung von den anderen zu lernen und seine Meinung zu ändern. Dazu sei nochmals Charles Taylor zitiert: »Der Populismus bricht mit diesem Konsens, indem er behauptet: Nur wir sind das Volk und wissen, was richtig ist, und es steht uns deshalb zu, die anderen beiseite zu schieben.«
