»Moonlightmass« mit Jazz
Leserfrage: Margret Hillers, Frankfurt: Mich würde interessieren, welche besonderen Gottesdienstformen es in den Kirchen gibt.
Die St. Igniatiuskirche in Frankfurt hat ein hohes, spitz zulaufendes Dach – in dem großen Innenraum können Töne wunderbar schweben, er ist ideal für Musik. An diesem Sonntagabend um 21 Uhr spielt dort Traute Mittlmeier auf ihrem Sopran-Saxofon leichte, meditative und zugleich ernste Jazz-Stücke. Der Raum liegt in einem Dämmerlicht. Kerzen stehen vor und auf dem Altar. Nur zwei Lampen brennen. Die Musik zum Beginn der »Moonlightmass« lässt die Besucher in der Kirche auch innerlich ankommen.
Musikimprovisationen und Stille
Der Jesuit und Pfarrer von St. Ignatius, Jörg Dantscher, begrüßt sie, indem er ihnen mit sanfter Stimme »Guten Abend« wünscht. Anschließend bietet er ihnen, vor Beginn des eigentlichen Gottesdienstes, einen »Impuls« an, wie er es nennt. Etwas, worüber sie »in die Stille hineindenken« können. An diesem Abend geht es um Beziehungen: für wen wollen wir da sein, wen würden wir heute einladen? Wer will, sinnt in den nächsten Minuten darüber nach. Dreißig Menschen, die minutenlang schweigend beieinander in der Kirche sitzen, denken, beten, den Geräuschen von draußen zuhören oder sich die flackernden Kerzen anschauen: Es ist schon eine besondere Atmosphäre, die sich regelmäßig an diesen Sonntagabenden einstellt.
Es wird auch gesungen, Jörg Dantscher wartet vor Beginn der Messe am Eingang. Nachdem er jedem, der kommt, die Hand gegeben hat, überreicht er ein Liedblatt. Öfter werden Taizé-Lieder angestimmt. Viele Worte werden in der Messe dagegen nicht gemacht. Es gibt nur eine Lesung, dazu eine kurze Predigt, eine Eucharistiefeier, bei der die Besucher auch vom Wein trinken können. Mehrmals herrscht Stille. Dann erklingt wieder Musik.
Zehn, zwölf Musiker und Musikerinnen gehören zum Team. Manchmal spielt einer alleine, manchmal begleiten zwei. Aber ob E-Bass, Gitarre, Saxophon oder Querflöte erklingt, die Künstler entscheiden immer selbst darüber, welche Musik sie mitbringen. »Ich darf spielen, was ich will«, sagt Traute Mittlmeier. Diesmal baut sie Melodien aus dem »Herrn der Ringe« ein. Meist improvisiert sie, nur wenig spiele sie vom Blatt. Sie mag die meditative Atmosphäre der Messe und die besondere Akustik der Kirche: »Ich spiele einen Ton, und einhundert kommen zurück«, sagt sie. Dabei muss sie genau spielen, denn jeder einzelne Ton ist in der Kirche gut zu hören.
Seit sieben Jahren in St. Ignatius
Seit dem Jahr 2006 bietet die Gemeinde die Moonlightmass an. Der Jesuit Lutz Müller hatte sie aus Würzburg mitgebracht, wo er sie in der Studentengemeinde mit großem Erfolg eingeführt hatte. »Die Idee zur Moonlightmass kam mir auf einem Konzert des Jazz-Saxophonisten Jan Garbarek«, wird Müller in einem Zeitungsbericht zitiert. Als er nach Frankfurt kommt und dem Pfarrer von St. Ignatius, dem Jesuiten Jörg Dantscher, davon erzählt, findet der das »eine tolle Idee«.
Dabei ist es für die Pfarrer eine Zusatzbelastung, neben Taufen, Hochzeiten und regulären Gottesdiensten an Wochenenden auch noch die Moonlilghtmass vorzubereiten. Jörg Dantscher, einer von fünf Zelebranten, sagt allerdings, dass auch für ihn die Messe ein erholsamer Ausklang des Wochenendes sei.
So geht es wohl auch den Besuchern dieses kontemplativen Gottesdienstes. Dabei kommen eher weniger die Mitglieder der St. Ignatius-Gemeinde dorthin. Der Gottesdienst hat sich als Geheimtipp unter jenen herumgesprochen, die es mögen, wenn in der Kirche nicht so viele Worte gemacht werden, die gerne undogmatisch und mit reduzierter Liturgie Gottesdienst feiern und einige Gedanken, Musik und Ruhe mit in den Alltag nehmen wollen.
