Die Mauern in meinem Leben
Meine Sehnsucht nach dem Westen war groß. Übergroß. Darin lauert Gefahr, weil übergroße Sehnsucht zu unüberlegten Handlungen führt, zu besinnungslosen Entscheidungen, die nicht immer ein gutes Ende nehmen. Meine Sehnsucht nach dem Westen war so groß, dass ich kurz nach meinem Weggang aus der DDR Ende 1988 jede sich bietende Reisegelegenheit wahrnahm, die mich in Länder führte, die ich aufgrund meiner Herkunft aus dem Osten bislang nicht bereisen konnte. Auf diese Weise landete ich, erst seit ein paar Monaten Bundesbürgerin mit einem richtigen Reisepass, in Israel. Also eigentlich im Nahen Osten anstatt im Westen, was zeigt, dass meine durch die Ummauerung der DDR begründete Sehnsucht nach dem Westen in Wirklichkeit eine Sehnsucht nach (Reise-)Freiheit und Exotik war. Alles Fremde hatte magische Qualität. Ich Ostdeutsche lief herum wie ein Kind, das die Welt entdeckt: die Augen weit aufgesperrt, überwach für möglichst viele Eindrücke, gierig durch Nachholbedarf. Ich war zwar eigentlich kein Kind mehr, galt mit Anfang zwanzig als erwachsen, jetzt aber wollte ich Weltbürgerin werden. Die Weststudenten, mit denen ich reiste, langweilten sich dagegen schnell, wirkten der Welt schon überdrüssig oder blickten spöttisch-amüsiert.
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Angela Elis Fernsehmoderatorin, bekannt durch den Bestseller »Typisch Ossi – Typisch Wessi«, Bertelsmann.
