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Die Trommel des Schamanen

Im matten Schein des Mondes schaute mich stumm das Gesicht eines alten Indianers
an und lehrte mich: Der Mensch kann alle Stimmen hören und die eigene erheben
von Annelie Keil vom 11.10.2013
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Es war eine stille Sommernacht in Arizona vor über zwanzig Jahren. Ich lag in meinem kleinen Zelt, heulte mir die Seele aus dem Hals und wusste nicht, warum ich mich mitten in einer schweren Lebenskrise entschlossen hatte, zwei Wochen lang mit einer Meditationsgruppe auf einem Floß durch die Stromschnellen des Grand Canyon zu rudern und mich abends im Zelt zwecks Sinnsuche dem Schweigen der Nacht auszusetzen. Ein abgerissener Fußnagel hatte sich entzündet und schmerzte wie mein aus den Fugen geratenes Leben. Ich starrte Löcher in den Himmel, und als hinter der gegenüberliegenden Felswand friedlich ein wunderbarer Mond aufging, verstärkte sich das Gefühl, von Gott und allen Menschen verlassen zu sein. Von Romantik oder Trost konnte keine Rede sein. Der Glaube an irgendeine Kraft, die die Welt beschützend zusammenhält und dem Leben Sinn verleiht, war mir abhandengekommen.

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