Frei, fromm und politisch
Hochhäuser türmen sich, so weit das Auge reicht. Fahrzeuge donnern vorbei. Hochmoderne Architektur steht neben Plattenbau. Herbstsonne fällt durch die Wipfel der vielen Bäume, die hier im Berliner Stadtteil Lichtenberg stehen. Ein Kreuz taucht auf, ein Zeltdach. An dem Beton des flachen Baus mit viel Holz und Glas wächst Wein. Sanddornsträucher säumen den Weg zum Gemeindezentrum »Am Fennpfuhl« inmitten der Hochhäuser. 1984 wurde es eingeweiht, eine Insel in der sozialistischen Großstadt. Auch heute werden Glaubenskurse im Schaukasten angekündigt, Friedensgebete finden montags statt. Auf den ersten Blick sieht alles aus wie bei einer gewöhnlichen evangelischen Gemeinde. Und doch: Die ordinierte Pastorin, die hier tauft, konfirmiert und auch das Abendmahl ausgibt – von den gut 2500 Kirchenmitgliedern gewollt –, hat nie im herkömmlichen Sinn Theologie studiert. Überdies war sie früher alleinerziehende Mutter. Mit dem Vater ihres Sohnes Oliver hat sie als junge Frau zusammengelebt, heiraten wollten sie nie.
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